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Wann ist eine Gehaltserhöhung für Mitarbeitende angebracht?

©fizkes - stock.adobe.com

Wenn es um das Gehalt der Angestellten geht, agieren Arbeitgebende oftmals sehr vorsichtig. Einmal, um die Ausgaben in Grenzen zu halten und auch, um das Gehaltsgefüge nicht durcheinander zu bringen und dadurch eventuell Missstimmung unter der Belegschaft auszulösen. Deshalb müssen geplante Gehaltserhöhungen gut durchdacht sein und dürfen nicht einfach aus einer Laune heraus gewährt werden. Aber wann sind Gehaltserhöhungen sinnvoll?

Gehaltserhöhung hat Auswirkungen auf die Nettobezüge

Wann immer ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin von seinem Arbeitgeber oder seiner Arbeitgeberin eine Gehaltserhöhung erhält, steigt zunächst einmal sein Bruttoeinkommen. Allerdings zeigt sich erst nach Abzug der zu entrichtenden Steuern und Sozialabgaben, wie viel vom höheren Gehalt tatsächlich auf dem Konto des Arbeitnehmers bzw. der Arbeitnehmerin landet. Vor allem bei sogenannten regulären Gehaltserhöhungen im Rahmen von Anpassungen an Tarifabschlüsse ist dieser Betrag zumeist eher überschaubar. Eine gute Lösung können die abgabenbegünstigten Bestandteile der Vergütung sein, für die Steuern und Abgaben nur in reduziertem Maße oder überhaupt nicht anfallen. Zu diesen Vergütungsbestandteilen zählen z. B.:

  • Sachzuwendungen
  • Beihilfen
  • Vorteile geldwerter Art (etwa ein Dienstfahrrad oder Dienstwagen)
  • Zuschüsse (z. B. Restaurantschecks, Kindergartenzuschuss)
  • Fahrtkostenzuschüsse
  • Zuschüsse zur Förderung von Gesundheitsleistungen
  • Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen

Für die hier aufgezählten Möglichkeiten hat der Gesetzgeber jeweils eigene Voraussetzungen sowie Höchstbeträge festgesetzt.

Anlässe für eine Gehaltserhöhung

Befragungen von Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen haben gezeigt, dass es verschiedene Gründe dafür geben kann, dass ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin eine Gehaltserhöhung erhält. Hauptsächlich honorieren Arbeitgebende mit solchen Erhöhungen aber die Leistungen ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen oder möchten sie durch höhere Bezüge längerfristig an ihr Unternehmen binden.

Mehr Gehalt als finanzieller Anreiz

Als Hauptargument wurde zunächst genannt, dass das Unternehmen finanzielle Anreize für Mitarbeiter schaffen möchte, denn mehr Gehalt bedeutet in aller Regel auch einen Motivationsschub und wirkt sich auf die Bindung zum Unternehmen aus. Ein solcher Anreiz ist für viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen wichtig. Die Aussicht auf ein steigendes Gehalt, etwa in Form von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, den Aufstieg in eine höhere Tarifklasse oder ein 13. Monatsgehalt, wird in vielen Gesprächen zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden als maßgebliches Kriterium bei Gehaltsverhandlungen genannt. Auch die betriebliche Altersvorsorge oder vermögenswirksame Leistungen sind übrigens für viele Arbeitnehmer bzw. Arbeitnehmerinnen ein finanzieller Anreiz.

Gehaltserhöhung aufgrund guter Leistungen

Ein Anlass für eine Erhöhung des Entgelts sind natürlich überdurchschnittliche Leistungen bei der Erfüllung der übertragenen Aufgaben. Wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin über einen langen Zeitraum hinweg konstant gute Arbeit abliefert, möchte der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin dies honorieren und gewährt eine Gehaltserhöhung. Dies kann sich etwa dadurch zeigen, dass der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin wesentlich zu einer Umsatzsteigerung des Unternehmens beiträgt oder indem er bzw. sie mit Ressourcen sparsam haushaltet und auf diese Weise die Kosten seines oder ihres Arbeitgebers bzw. seiner oder ihrer Arbeitgeberin senkt.

Neue Position – höheres Gehalt

Auch die Übernahme einer neuen Aufgabe bzw. einer neuen Position im Unternehmen ist meist mit einer Erhöhung der Bezüge verbunden. Wer im Unternehmen aufsteigt und beispielsweise vom normalen Projektangestellten zum Projektverantwortlichen avanciert, der hat mehr Arbeit und mehr Verantwortung. Beides sollte der Arbeitgebende honorieren. Das höhere Gehalt dient dabei also vor allem als Ausgleich für die größere Verantwortung, die dem Beschäftigten auferlegt wird und als Honorierung der anstehenden Mehrarbeit. Ein wesentlicher Aspekt bei einer Gehaltserhöhung ist immer die Anzahl des Personals, die im Rahmen einer neuen Position anzuleiten und zu führen sind. Statistiken zum Thema Gehälter in Deutschland können in diesem Kontext interessante Denkansätze liefern.

Erwerb zusätzlicher Qualifikationen als Grund für die Gehaltserhöhung

Eine Gehaltserhöhung kann auch gewährt werden, wenn sich ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin über den Zeitraum seiner oder ihre Unternehmenszugehörigkeit stetig fortgebildet und zusätzliche Qualifikationen erworben hat, die ihn oder sie in die Lage versetzen, vorher nicht leistbare Tätigkeiten auszuführen. Von einer solchen Weiterentwicklung profitiert letztlich vor allem der Arbeitgebende, denn er kann seinen Belegschaft vielfältiger einsetzen und ihr auch mehr Verantwortung übertragen. Zusätzliche Qualifikationen im Beruf sind also ebenfalls ein gutes Argument für eine Gehaltserhöhung.

Vom Talentmanagement zur Gehaltserhöhung

Der Trend, Talente möglichst frühzeitig zu entdecken und an sich zu binden, wird von Unternehmen aus den Vereinigten Staaten streckenweise geradezu exzessiv ausgelebt. Oft sind sogenannte Scouts an den Universitäten unterwegs, immer auf der Suche nach besonders talentierten Studierenden, die sich zur Besetzung von erfolgskritischen Positionen im Unternehmen eignen könnten. Diese werden mit lukrativen Arbeitsverträgen ins Unternehmen gelockt (nicht selten noch vor dem Abschluss an der Universität) und durch ein erstklassiges Einstiegsentgelt und die Aussicht auf Gehaltserhöhungen an das Unternehmen gebunden. Diese Art von Talentmanagement bzw. Nachwuchsführungskräfte-Förderung wird auch von deutschen Unternehmen praktiziert.

Gehaltserhöhung als Anpassung an den „aktuellen Marktwert“

Für ein Unternehmen gestaltet es sich oftmals schwierig, den jeweils exakten „Marktwert“ eines Mitarbeiters bzw. einer Mitarbeiterin festzustellen und ihn oder sie gemäß dieser Information zu entlohnen. Natürlich weiß der Unternehmer um die auf dem Arbeitsmarkt üblichen Gehälter und ist sich vermutlich bewusst, dass sein Personal bei einem anderen Arbeitgebenden eventuell wesentlich mehr Gehalt bekommen würde. Aus diesem Grund gewährt er in regelmäßigen Zeitabständen bzw. anlassbezogen Gehaltserhöhungen. In diesem Marktwert liegt aber auch die Chance für den Arbeitnehmenden, der um eine Gehaltserhöhung bitten möchte. Bevor er ein Gespräch mit seinem Arbeitgeber oder seiner Arbeitgeberin erbittet, ist es sinnvoll, sich auf entsprechenden Webportalen oder in den Printmedien zu informieren, wie viel jemand mit vergleichbarer Qualifikation und ähnlichen Aufgaben bei anderen Unternehmen durchschnittlich verdient. Dieses Durchschnittsgehalt kann der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin mit seinem oder ihrem Entgelt vergleichen und erhält so zumindest einen Hinweis darauf, in welchem Rahmen sich die Gehaltserhöhung bewegen müsste, damit seine bzw. ihre Leistungen angemessen vergütet werden.

Kundenzufriedenheit als Grund für mehr Gehalt

Vor allem Arbeitnehmende mit umfangreichen Kundenkontakten, etwa als Teil eines Support-Teams, können in einem entsprechenden Gespräch mit ihren Arbeitgebenden die Kundenzufriedenheit als Argument für eine Gehaltserhöhung ins Feld führen. Für ein Unternehmen sind nicht alleine die Verkaufszahlen eines Geschäftsjahres von Bedeutung, sondern auch, ob die Kunden mit dem Service zufrieden sind. Denn nur zufriedene Kunden kommen immer wieder zurück. Deshalb ist die Honorierung guter Arbeit im Bereich der Kundenkontakte wichtig.

Gehaltserhöhung für Optimierungsvorschläge

Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen stehen sozusagen an der Basis des Unternehmens und bekommen durch die tägliche Arbeitspraxis Dinge mit, die den Vorgesetzten häufig verborgen bleiben. Zu diesen Dingen gehören auch Mankos im Bereich von Produktion, Verwaltung oder Vertrieb. Engagierte und kompetente Mitarbeitende können hier oft Verbesserungsvorschläge vorbringen, welche die Effektivität firmeninterner Prozesse steigern. Solche Ideen sollten auch bei Gesprächen bezüglich einer eventuellen Gehaltserhöhung vom Arbeitnehmenden benannt werden, da Arbeitgebende solche Ereignisse gerne vergessen. Nicht aus Bosheit, sondern schlicht aufgrund ihrer Arbeitsbelastung. Hier darf sich der Mitarbeitende gerne auch einmal selbst loben, um sich und seine Leistung bei den Vorgesetzten in Erinnerung zu rufen.

Besonderes Engagement in Krisenzeiten

Fast jedes Unternehmen durchlebt irgendwann einmal schwierige Zeiten, in denen Aufträge ausbleiben oder es sonstige Probleme zu lösen gilt. Gerade in solchen Phasen sind engagierte und loyale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von immenser Wichtigkeit, da sie nicht nur bereit sind, Mehrarbeit zu leisten, sondern auch gute Ideen zur Bewältigung einer Krise vorbringen oder durch ihre optimistische Einstellung ihre Kollegen motivieren und die Stimmung in der Belegschaft verbessern. Wer sich in einer solchen Weise und zu solch einer Zeit engagiert, hat eine Gehaltserhöhung als Anerkennung verdient.

Ratgeber für Kollegen und Kolleginnen - Argument für eine Gehaltserhöhung

Viele Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen verfügen in ihrem Arbeitsbereich über umfassendes Fachwissen und stellen dieses auch ihren Kollegen zur Verfügung. Sie helfen bei Problemen mit einer Maschine und geben Auszubildenden sinnvolle Ratschläge. Dieses Phänomen sieht man in Unternehmen sehr häufig bei „altgedienten“ Angestellten. Sie sind nicht nur wertvoller Kollege, sondern auch Fachlexikon und Ratgeber in Sachen Arbeit. Sie sind die eigentlichen Lenker in der Praxis und leisten durch ihre Erfahrung unschätzbare Dienste für den Arbeitgebenden. Diesem sollte solch ein Engagement eine Gehaltserhöhung wert sein.

Angebot durch ein anderes Unternehmen

Jedes Unternehmen ist darauf angewiesen, kompetente Angestellte im eigenen Unternehmen zu halten. Gerade gut ausgebildete Fachkräfte mit zahlreichen Qualifikationen werden dringend benötigt. Wer zu dieser Gruppe von Arbeitnehmenden gehört, der informiert sich natürlich auch darüber, wie andere Unternehmen ihr Personal entlohnen. Nicht selten bewerben sie sich initiativ, um ihren Marktwert auszuloten. Werden hier interessante Angebote offeriert, suchen nicht Wenige das Gespräch mit ihrem aktuellen Vorgesetzten und teilen ihm mit, dass sie von einem anderen Unternehmen ein besseres Angebot erhalten haben. In solch einem Fall kann es sinnvoll sein, über eine Gehaltserhöhung nachzudenken, um die Fachkraft zu halten. Bei diesem Gespräch ist von beiden Seiten viel Fingerspitzengefühl gefordert, um zu einer Übereinkunft zu gelangen, die für beide Parteien akzeptabel ist.

Informationen zum Autor dieses Beitrags

oliver lilieFoto: Dirk Mahler

Maike Jacobsen ist Diplom-Volkswirtin. Sie hat Masterabschlüsse in Personalentwicklung und in Systemischer Beratung. Seit 2005 arbeitet sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der MA&T Organisationsentwicklung GmbH. Sie berät Unternehmen bei der Umsetzung von Veränderungen und bei Fragen des Personalmanagements. Change Management und Projektmanagement gehören zu ihren Trainingsthemen. Als eine der Redakteurin auf Perwiss befasst sie sich u. a. mit Personalkennzahlen, Wissensmanagement und Diversity.