Employee Experience - Die wichtigsten Informationen
Bildnachweis: saksit-stock.adobe.com

Employee Experience - So stärken Sie die Mitarbeiterbindung und Produktivität Ihrer Mitarbeitenden

13. Oktober 2022
Oliver Lilie
Oliver Lilie
Perwiss-Experte für Führung und Change Management

Die Arbeitswelt unterliegt gegenwärtig einem enormen Wandel. Neben der Orientierung an ihren Kunden und einer guten Customer Experience rücken aus Unternehmensperspektive die Beschäftigten als wertvollste Ressource immer stärker in den Vordergrund des Handelns.

Bedingt durch den zunehmenden Fachkräftemangel und den daraus resultierenden War of Talents ist ein Umdenken und sind neue Strategien zunehmend erfolgsrelevant, ja sogar überlebenswichtig. Dazu gehört in jedem Fall die gezielte Gestaltung der Employee Experience (EX).

Die Implementierung einer Employee Experience Strategie hat nicht nur positive Auswirkungen auf den Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin, auch das Unternehmen profitiert davon! Wie? Das ist Inhalt dieses Beitrages und wird im Folgenden genauer beleuchtet.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Employee Experience beschreibt den kompletten Zyklus eines Mitarbeitenden im Unternehmen, vom Einritt bis zum Austritt.

  • Employee Experience beeinflusst die Arbeitsatmosphäre, die Mitarbeiterzufriedenheit und somit auch das Employee Engagement.

  • Employee Experience stützt sich auf drei Aspekte der Arbeitsumgebung: physische, kulturelle und technologische, welche die Berührungspunkte des Mitarbeitenden mit dem Unternehmen beschreiben.

Employee Experience Definition

Übersetzt man den Begriff ins Deutsche bedeutet dieser Mitarbeitererfahrung oder -erlebnis. Mit Employee Experience (EX) wird demnach der gesamte Zyklus eines Arbeitnehmers oder einer Arbeitnehmerin im Unternehmen betrachtet, vom Onboarding bis hin zum Austrit. Da alle Berührungspunkte mit dem Unternehmen inbegriffen sind - wie zum Beispiel Emotionen, Eindrücke, Erlebnisse, Interaktionen oder alltägliche Aufgaben - ist die Employee Experience ein wichtiger Indikator für die Mitarbeiterzufriedenheit.

Grundsätzlich stützt sich Employee Experience auf drei Hauptarbeitsgebiete, die verschiedene Berührungspunkte mit dem Unternehmen beinhalten und alle Auswirkungen auf die Arbeitsatmosphäre und die Zufriedenheit des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin haben:

  1. physische Arbeitsumgebung

  2. kulturelle Arbeitsumgebung

  3. technologische Arbeitsumgebung 

Drei Säulen Arbeitsumgebung EXBildnachweis: Eigene Darstellung der PERWISS-Redaktion (Säulen)

Employee Experience vs. Employee Engagement

Je höher die Mitarbeiterzufriedenheit, desto höher ist auch die Mitarbeitermotivation und das Engagement der Angestellten. Ergeben sich negative Erfahrungen auch auf nur einer der oben genannten Säulen - unabhängig davon welche es ist - kann dies bereits zur Senkung des Mitarbeiter Engagements führen. Demnach trägt die Employee Experience maßgeblich zum Employee Engagement und somit zum Unternehmenserfolg bei.

Zwar kreisen beide Begriffe rund um die Themen Arbeitsatmosphäre, Unternehmenskultur und Feedback, allerdings lassen sie sich folgendermaßen unterscheiden:

Mit Employee Engagement wird eine hohe emotionale Bindung des Mitarbeitenden verbunden. Diese bezieht sich sowohl auf die Arbeit, als auch auf den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin an sich. Sie beeinflusst die Motivation , Unternehmensziele zu erreichen und steigert die Produktivität.

Dahingegen verfolgt Employee Experience einen langfristigen und ganzheitlichen Ansatz, beispielsweise durch Wertschätzung und stetiges Feedback, eine positive Arbeitsatmosphäre oder Entwicklungsplänen.

Den Rahmen bildet die Employee Journey. Bildlich kann man sich die Wechselwirkung von Employee Experience und Enagement so vorstellen:

Blume Wachstum EX u EEBildnachweis: Eigene Darstellung der PERWISS-Redaktion (Blume Wachstum Gießen)

 

Employee Experience vs. Customer Experience

“Gut geführte Unternehmen haben verstanden, dass Mitarbeiter mitunter wichtiger sind als Kunden. Denn wenn Mitarbeiter gut geführt und gefördert werden, sind in der Regel auch die Kunden glücklicher.”
Josh Bersin, führender Branchenanalyst mit Fokus auf Talent Management

Der Fokus eines Unternehmens sollte darauf liegen, die eigenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wie die wichtigsten Klienten zu betrachten, sie so zu behandeln und ihnen ähnliche Möglichkeiten zu bieten, denn engagierte Mitarbeitende haben einen positiven Einfluss auf die Customer Experience.

Ziele von Employee Experience

Employee Experience verfolgt drei wesentliche Ziele.

  1. Ein langfristig positives Arbeitsumfeld schaffen

  2. Die Mitarbeitermotivation, das Engagement und somit die Produktivität steigern

  3. Die Mitarbeitenden langfristig an das Unternehmen binden

1. Langfristiges positives Arbeitsumfeld schaffen

Bereits die kleinsten Faktoren können die Emplyoee Experience beeinflussen und ein langfristiges positives Arbeitsumfeld für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermöglichen.

Mitarbeitende, die sich an ihrem Arbeitsplatz nicht wohlfühlen, sind auch nicht in der Lage ihr Bestes zu geben. Kreieren Sie daher eine angenehme, im Optimalfall Wohlfühl-Arbeitsatmosphäre für Ihre Arbeitnehmenden. Sei es durch die ergonomische Ausstattung der Büros oder eine adäquate Beleuchtung der Arbeitsplätze. Zudem können Pflanzen zu einem positiveren Arbeitsumfeld beitragen, sie verbessern die Luftqualität und verschönern das Ambiente. Aber auch flexible Homeoffice-Optionen und regelmäßige gemeinsame Kaffee-Pausen und Teamevents fördern langfristig ein positives Arbeitsumfeld.

2. Motivation, Engagement und Produktivität steigern

Niemand arbeitet gerne in einem Job, der keinen Spaß macht oder in einem Unternehmen, in dem man sich nicht wohlfühlt und mit dem man sich nicht identifizieren kann. Eine positive Arbeitsatmosphäre steigert die Motivation, das Engagement und die Produktivität der Beschäftigten. Diese Aspekte können bereits durch vereinfachte HR-Prozesse gesteigert werden. Sei es durch eine benutzerfreundliche HR-Software, einfache Urlaubsanträge und flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice.

Das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollte Priorität haben. Fragen sie Ihre Angestellten aktiv nach ihrer Meinung, um das Mitarbeitererlebnis stetig zu verbessern. Zeigen Sie Ihren Angestellten, dass Sie sie und ihre Arbeit wertschätzen. Fördern Sie zudem Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

3. Langfristige Mitarbeiterbindung

Gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu finden, wird gegenwärtig immer schwerer. Daher ist es von großer Bedeutung, das bereits vorhandene Personal langfristig zu binden und im Unternehmen zu halten. Durch verschiedene Maßnahmen können Sie dafür positive Anreize für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schaffen. Wichtig ist, nicht irgendwelche Mitarbeiterbindungsmaßnahmen einzuführen, sondern solche, die an die Bedürfnisse der Belegschaft angepasst sind. Je wohler sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen und je mehr sie durch regelmäßig neue Aufgaben und Verantwortungsbereiche gefördert werden, desto länger bleiben sie dem Unternehmen in der Regel als produktive und engagierte Mitarbeitende erhalten.

Akteure in der Employee Experience

Employee Experience wird nicht allein von der HR gesteuert. Vielmehr ist es ein Zusammenwirken von verschiedenen Akteuren. Man kann sogar sagen, dass alle Mitglieder eines Unternehmens für die Employee Experience verantwortlich sind.

Die Geschäftsführung und das Management geben der Organisation ihre Form. Sie beschreiben die Ziele, Kultur, Werte und auch den Sinn der Arbeit und setzen als Arbeitgeber Gestaltungsimpulse.

Die Führungskräfte der einzelnen Teams sind dafür verantwortlich, die eigenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Auge zu behalten, Lösungen für ihre Anliegen zu finden oder diese mit der Geschäftsführung abzustimmen. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kann von der Führungskraft und der Bindung zur Führungskraft maßgeblich positiv beeinflusst werden.

Die HR-Abteilung ist letztendlich für die Umsetzung und die Gestaltung der Strategie verantwortlich. Auch ist sie Ansprechpartner für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Für die unterschiedlichen User Experiences und auch um die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeitsfähig zu machen, sind Technologien und eine IT Abteilung wichtig. Diese übernehmen deren Programmierung, Instandhaltung, Überwachung und Sicherung.

Das Thema betrifft alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen selbst! Jede und jeder kann einen Beitrag zur positiven Gestaltung und Entwicklung der Employee Experience leisten. Regelmäßiges Feedback, Einbringen in Prozesse sowie offene Kommunikation kann das Unternehmen dabei unterstützen, als Arbeitgeber auf die Erfahrungen zu reagieren. Rundum: eine gelebte Unternehmenskultur ist ausschlaggeben für eine positive Employee Experience.

Phasen von Employee Experience

Die Employee Experience zieht sich durch den gesamten Employee Lifecycle im Unternehmen. In jeder Phase sammelt der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin Erfahrungen, welche die Meinung, Wahrnehmung und den Verbleib im Unternehmen beeinflussen. Diese Ganzheitlichkeit im Unternehmen zu etablieren, ist wohl eine der größten Herausforderungen für Employee Experience.

Employee LifecycleBildnachweis: Eigene Darstellung der PERWISS-Redaktion

1. Attraction

Bereits vor der Bewerbung im Unternehmen kann beispielsweise die User Experience auf der Karrierewebseite ein ausschlaggebender Faktor seing, ein Bewerbung tatsächlich abzuschicken. Somit stellt Attraction die erste Phase dar, die bei der Employee Experience auf der Agenda steht. Das Schlagwort hier ist Employer Branding.

2. Recruiting

Auch hier geht es darum, das Unternehmen und seine Vorzüge überzeugend darzustellen. Die HR-Abteilung sollte es sich zum Ziel machen, den Bewerbungsprozess für den Bewerber oder die Bewerberin so einfach und angenehm wie möglich zu gestalten. Dadurch steht einer positiven Erfahrung mit dem Unternehmen nichts im Wege.

3. Onboarding

Die dritte Phase des Employee Lifecycles ist das Onboarding. Onboarding ist die Einstellung und zielgerichtete Integration eines neuen Mitarbeiters oder einer neuen Mitarbeiterin im Unternehmen. In dieser Phase wird der Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gelegt. Das Onboarding beginnt in der Regel bereits vor dem ersten Arbeitstag, unmittelbar nach der Vertragsunterschrift, mit dem Bereitstellen aller relevanter Informationen für den Eintritt in das Unternehmen.

4. Developement

Die Phase des Developements umfasst die Entwicklung der einzelnen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Dazu gehört die Förderung der Stärken, Fähigkeiten und Talente der Beschäftigten durch gezielte Maßnahmen, damit sie ihr bestmöglichstes Potenzial entfalten können. Ein regelmäßiges Angebot an geeigenten und passfähigen Personalentwicklungsmaßnahmen eignet sich besonders gut für die kontinuierliche Entwicklung der Mitarbeitenden.

5. Retention

Retention meint das Beibehalten und Aufrechterhalten der Stärken sowie Fähigkeiten der Talente. In dieser Phase liegt der Fokus darauf, die Beschäftigten möglichst langfristig an das Unternehmen zu binden. Regelmäßige Feedbackgespräche fördern ein positives Mitarbeitererlebnis. Zudem steigern Aufstiegsmöglichkeiten die Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie das Mitarbeiterengagement.

6. Exit

Ganz gleich welche Gründe hinter dem Ausscheiden aus dem Unternehmen stehen, ist auch der Exit ein wichtiger Schritt hinsichtlich der Emloyee Experience. Der Abschied des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin sollte angemessen und professionell erfolgen. Ein erfolgreicher Exit sollte bestenfalls ein Mitarbeitergespräch beinhalten, indem Optimierungspotenziale und Feedback sowohl für den Arbeitnehmenden als auch das Unternehmen herausgestellt werden.

7. Alumni

Ein angenehmer Unternehmensaustritt für den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin ist wichtig, um sie als Alumni für das Unternehmen zu gewinnen. Der fortlaufende Kontakt zu den ausgeschiedenen Mitarbeitern kann sich positiv auf das Image des Unternehmens auswirken. Ex-Mitarbeiter und Ex-Mitarbeiterinnen können ihre Mitarbeitererfahrung durch Mund-zu-Mund-Propaganda weitertragen. Dies wiederum wirkt sich positiv auf die Arbeitgeberattraktivität aus. Zudem kann es bei beständigen Kontakt durchaus zu einer erneuten Einstellung von Alumnis kommen.

Wie setze ich Employee Experience im Unternehmen um?

Um eine positive Employee Experience für Ihre Belegschaft zu etablieren, ist es nicht zwangsläufig notwendig viel Geld in die Hand zu nehmen. Viel mehr liegt der Fokus auf einer guten Führungspraxis, der Etablierung einer Feedbackkultur sowie der Durchführung regelmäßiger Mitarbeiterumfragen.

  • Führung

    Eine gute Führungspraxis ist das A und O für ein positives Mitarbeiterengagement. Bauen Sie eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf. Fördern Sie eine offene Kommunikation. Regelmäßige Fragen nach dem Wohlbefinden und möglichen Problemen sowie Schwierigkeiten stärken ein positive Employee Experience. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zudem, dass Sie sie und ihre Arbeit wertschätzen.

  • Feedbackkultur

    Etablieren Sie eine Feedbackkultur in Ihrem Unternehmen. Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen möchten spüren, dass ihre Arbeit sinnvoll und zielführend ist. Beziehen Sie dabei auch positive Feedbacks von Kunden und Kundinnen ein. Im Optimalfall gelingt Ihnen ein sogenanntes 360-Grad-Feedback. Die Anerkennung der Arbeit ist ein entscheidender Faktor für die Schaffung eines positiven Mitarbeitererlebnis.

  • Umfragen

    Beziehen Sie Ihre Mitarbeitenden mit ein!

    Mitarbeiterbefragungen verdeutlichen welche Employee Experience Strategie erfolgreich ist und wo noch Entwicklungsbedarf besteht.

    • Umfragen zum Mitarbeiter Engagement: Mittels kurzer und einfacher Fragen können Sie Feedback über das Engagement der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erhalten. Gleichzeitig können Sie Informationen über die allgemeine Einstellung und Loyalität Ihnen als Arbeitgeber gegenüber messen. Zudem können Sie ermitteln, inwieweit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Sie als attraktiven Arbeitgeber weiterempfehlen würden.

    • Umfragen zu Mitarbeiterzufriedenheit/-erlebnis: Dabei handelt es sich um umfassende Umfragen zu dem physischen und psychischen Wohlbefinden und der Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die Ergebnisse verdeutlichen, inwiefern die Employee Experience verbesserungswürdig ist.

    • Umfragen zum Onboarding-Prozess: Durch die Evaluation des Onboarding-Prozesses können mögliche Schwierigkeiten aufgedeckt werden, um diese in darauffolgenden Einarbeitungsphasen zu verbessern.

    • 360-Grad-Feedback-Umfragen: Diese eignen sich besonders zur Beurteilung von Leistungen und Kompetenzen. Das 360-Grad-Feedback kann für die effektive Mitarbeiterentwicklung eingesetzt werden.

Employee Experience der Zukunft

Spätestens durch die weltweite Corona-Pandemie und die sich dadurch immer stärker etablierende mobile Arbeit/Homeoffice werden sich auch die Strategien der Employee Experience in den kommenden Jahren zunehmend verändern beziehungsweise anpassen müssen.

Durch die Veränderungen in der Arbeitswelt und im Bereich der sozialen Distanzierung spielt Technologie und Digitalisierung eine zentrale Rolle hinsichtlich des Mitarbeitenden-Erlebnisses. Flexible Arbeitsort- und Arbeitszeitmodelle sind und werden immer wichtigere Faktoren für eine positive Employee Experience.

Damit das Wohlbefinden der Arbeitnehmenden auch im hybriden Arbeitsmodus gefördert wird, müssen benutzerzentrierte Technologien eingesetzt werden. Diese ermöglichen den Beschäftigen zunehmend eine Zusammenarbeit, wie sie im Büroalltag üblich ist.