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Mit Social Media Recruiting auf dem Weg zur Personalarbeit 2.0?

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Social Media Recruiting KOMPAKT: Das Wichtigste in aller Kürze!

Kaum wegzudenken aus der Personalbeschaffung ist mittlerweile der Teilbereich des Social Media Recruiting. Dieser hat sich zu einer effektiven Strategie zum Recruiting von Kandidaten und Kandidatinnen entwickelt. Unternehmen verwenden beim Social Media Recruiting soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram, Twitter, YouTube und TikTok sowie die Business Netzwerke Xing und LinkedIn. Mit diesem Beitrag geben wir Ihnen Informationen an die Hand, wie Sie sich über diese Recruiting Netzwerke als attraktiver Arbeitgeber vermarkten und wie Sie damit Ihre Markenbildung als Arbeitgeber vorantreiben. Verbessern Sie Ihr Praxiswissen, um potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt über soziale Medien anzusprechen.

Social Media Recruiting PRAXISNAH: Die wichtigsten Tipps zum Social Media Recruiting

So gehen Sie am besten vor, um Social Media Recruiting in Ihre Personalbeschaffung passgenau zu integrieren.

  1. Führen Sie eine Analyse ihrer bisherigen Social Recruiting Strategie durch. Betrachten Sie dabei genau, welche Kanäle und Netzwerke Sie verwenden und wie effektiv diese sind.
  2. Verschaffen Sie sich einen differenzierten Überblick, welche Karriere Netzwerke, Business Plattformen oder Arbeitgeberbewertungsportale zu welchen Konditionen verfügbar sind, welche Reichweite diese haben und inwiefern diese zu Ihren Bewerberinnen und Bewerbern Ihres Recruitings passen.
  3. Legen Sie genau fest, welche Zielgruppe Sie mit welchen Social Media Kanälen erreichen wollen: Wie sehen Ihre perfekten Kandidaten aus? Welche Stellen wollen Sie besetzen?
  4. Unterschätzen Sie den Zeit- und Kostenfaktor nicht. Legen Sie deshalb ein Zeit- und Kostenbudget für Ihre Recruiting Aktivitäten fest.
  5. Beachten Sie, dass besonders in der Startphase mehr Zeit- und Finanzaufwand nötig sind, um die Recruiting Kanäle „ins Laufen zu bringen“ und z. B. ausreichend Follower zu gewinnen oder Seitenaufrufe zu verzeichnen.
  6. Sorgen Sie für Kontinuität der Kanäle. Diese wollen permanent gepflegt werden, damit Ihre User und zukünftigen Kandidaten und Kandidatinnen nicht das Interesse verlieren.
  7. Prüfen Sie regelmäßig die Wirksamkeit von ihren Social Media Kanälen. Passen Sie ggf. Ihre Maßnahmen an. Scheuen Sie sich nicht, sich von nicht passenden Recruiting Portalen zu trennen.
  8. Bauen Sie Ihr Recruiting mit starken sozialen Netzwerken auf, um Ihre Aktivitäten zu pushen. Nutzen Sie dafür Ihre Beschäftigten, Kunden, Kooperationspartner oder auch „Influencer“.
  9. Verknüpfen Sie Ihr Social Media Recruiting mit Ihrer Karrierewebseite, um potenzielle Bewerber und Bewerberinnen direkt auf Ihre Stellen aufmerksam zu machen.
  10. Verlieren Sie nie den Datenschutz der sozialen Netzwerke aus dem Auge.
  11. Beachten Sie, dass sich auch Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den verschiedenen Medien „aufhalten“. Erstellen Sie zu diesem Zweck Social Media Guidelines. Diese helfen Ihnen und den Beschäftigten sich sicher und konform mit den Vorstellungen des Unternehmens in den sozialen Medien im beruflichen Kontext zu bewegen.
  12. Erzeugen Sie Synergieeffekte, indem Sie Social Media auch für die Themen Mitarbeiterbindung, Mitarbeitermotivation, Vernetzung oder Personalentwicklung einsetzen.

Social Media im Recruiting „Teufelszeug“ oder „Wunderwaffe“ der Personalarbeit?

Dazu zwei gegensätzlich erscheinende Episoden, die sich so oder so ähnlich ereignet haben.

  1. Sie sind Personalverantwortlicher, sitzen in einem Workshop und diskutieren mit anderen Personalverantwortlichen über die Möglichkeiten des Social Media Recruiting. Plötzlich spricht Sie der neben Ihnen sitzende 30-jährige Personaler an und sagt, dass er Sie über sein Smartphone in sein Kontaktnetzwerk bei XING und LinkedIn aufgenommen hat.
  2. Sie diskutieren mit einem 62-jährigen Geschäftsführer über die Bedeutung von Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie kununu im Rahmen des Social Media Recruiting. Dieser sagt Ihnen: „Von so etwas lasse ich mich nicht beeinflussen. Und übrigens schreibt mein Sohn für mich die SMS auf meinem Handy.“

Sicher gibt es keine eindeutige Antwort, wie intensiv Ihr Unternehmen Social Media Recruiting nutzen sollte. Eins ist jedoch sicher - ohne die Nutzung von sozialen Medien wird die Personalarbeit zukünftig nicht auskommen! Grund genug sich, mit den Basics von Social Media Recruiting auseinander zu setzen.

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. kommt in der Studie Digitale Nutzung in Deutschland 2018 zu sehr interessanten Ergebnissen bezüglich der allgemeinen Nutzung von sozialen Medien. 89 Prozent der befragten Onliner nutzen Social Media Portale. Darüber hinaus lesen 79 Prozent Blogs und soziale Netzwerke. Durchschnittlich verbingen sie 71 Minuten pro Tag in den sozialen Medien. Die beliebtesten Kanäle bleiben dabei Facebook, YouTube und WhatsApp.

Was ist Social Media Recruiting?

Social Media im Recruiting sind Dienste und Plattformen zur Kommunikation durch Anwender und Anwenderinnen im Internet. Sie werden zum Austausch von Meinungen, Erfahrungen und persönlichen Erlebnissen genutzt. Zudem können digitale Inhalte, wie Fotos oder Videos, kommuniziert werden. Durch Social Media ist eine wechselseitige Interaktion im Internet möglich geworden, bei der die Gruppenersteller bzw. -anbieter und Nutzer nicht mehr voneinander zu trennen sind, beispielsweise bei der gemeinsamen Wissenssammlung in Wikis.

Definition: Social Media Recruiting

Social Media Recruiting befasst sich mit der Gewinnung von Kandidaten und Kandidatinnen über Kanäle sozialer Medien und schließt die Suche, die Ansprache und den Bewerbungsprozess mit ein. Social Media können dabei in verschiedenen Personalbereichen genutzt werden und in andere wiederum integriert sein. Die einzelnen Aktivitäten sind miteinander verknüpft bzw. werden in Kombination eingesetzt.

Klassische Tätigkeitsfelder im Recruiting von Kandidaten sind Personalmarketing, Kommunikation und Management der Bewerber und Bewerberinnen. Der Nutzen lässt sich jedoch auch mit den Bereichen Change Management, Projektmanagement und Wissensmanagement verknüpfen. Der Vorteil von Social Media im Recruiting liegt dabei in der Unmittelbarkeit der Kommunikation begründet. Im Bewerbungsprozess können jederzeit Rückfragen gestellt werden. Die Interaktion zwischen Unternehmen und Bewerber oder Bewerberin hat so das Potential, sich nachhaltig auf das Personalmanagement auszuwirken.

Die Recruiting Trends 2019 der Monster Worldwide Deutschland GmbH kommen zu dem Ergebnis, dass die Unternehmen das Potenzial von Social Media Recruiting erkannt haben. So schreiben 19 von 20 Unternehmen der Befragten, Social Media im HR-Bereich eine wichtige Rolle zu. Jedoch fehlt es vielen Unternehmen an Maßnahmen für die professionelle Umsetzung von Social Recruiting. Etwa 22 Prozent der Unternehmen fehlt unter anderem eine explizite Social Recruiting Strategie für den Einsatz von Social Media im Recruiting.

TIPP: Nutzen Sie unser Tool "Wegweiser Social Media 2.0", um sich einen Überblick über die erfolgversprechendsten Social Media Kanäle zu verschaffen.

Welche Plattformen eignen sich für Social Media Recruiting?

Social Media im Allgemeinen sind Web-Dienste und Web-Plattformen zum Austausch von Meinungen und Erfahrungen durch Anwender. Zu diesen gehören Social Networks, Wikis, Blogs, Mikroblogs, Internetforen, Mailinglisten, Social Bookmarking, Podcasts sowie Foto- und Videoplattformen.

Social NetworksArbeitgeberbewertungsportaleBlogsMikroblogsVideoportale

3D rendering of an office installed in a tropical beach and a video conference callFrank Boston, La Fabrika Pixel s.l.

Mit sozialen Netzwerken sind Internetdienste gemeint, die vorrangig der Pflege und dem Aufbau sozialer Netze der Nutzenden dienen und das Internet als unterstützende Technologie benutzen. „Social” verweist dabei auf den Aspekt, dass die Technologie selbst in den Hintergrund und die Interaktivität in den Vordergrund treten soll.

Quelle: ic.publicone.com

Wichtige und bedeutsame Social Networks im deutschsprachigen Raum mit sind:

XING ist laut der eigenen Webseite im Januar 2020 das soziale Netzwerk für berufliche Kontakte und bietet über 18 Millionen Fach- und Führungskräften die Möglichkeit, sich mit anderen zu vernetzen.

Quelle: https://werben.xing.com/daten-und-fakten

Auf den eigenen Seiten gibt LinkedIn im Januar 2014 mehr als 250 Millionen Mitgliedern in mehr als 200 Ländern und Regionen an. Damit ist LinkedIn laut eigener Aussage das größte Online-Berufsnetzwerk der Welt.

Quelle: https://de.linkedin.com/

TIPP: Verfolgen Sie die Entwicklung der wichtigsten Sozialen Netzwerke. Soziale Netzwerke werden mit großer Wahrscheinlichkeit insgesamt nicht an Bedeutung verlieren. Jedoch löst ein Netzwerk häufig ein anderes ab. Erste Experten prognostizieren, dass in vier bis fünf Jahren Facebook durch andere Netzwerke abgelöst werden könnte.

TIPP: Halten Sie interessierte Kandidaten über Ihre sozialen Aktivitäten im Rahmen des Recruiting auf dem Laufenden. Ergänzen Sie zum Beispiel entsprechende Icons in Ihrer E-Mail Signatur oder auf Ihrer Karrierewebseite.

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Eine besondere Form von Social Networks im beruflichen Kontext sind Arbeitgeberbewertungsportale. Zu den sechs größten Arbeitgeberbewertungsportalen gehören:

Kununu ist mit 4,2 Milionen Bewertungen von über 900.000 Arbeitgebern laut eigener Webseite im Januar 2020 die größte und professionellste Plattform für Arbeitgeberbewertung im deutschsprachigen Raum. Kununu ist exklusiver Kooperationspartner von z. B. XING, herold, jobstairs.de, jobisjob, jobs.ch und wird von durchschnittlich 50 Mio. Besuchern pro Monat angesurft. Seit 2013 gehört die kununu GmbH zur XING AG, dem größten deutschsprachigen Business und Social Recruiting Netzwerk.

Quelle: www.kununu.com

Egal wie kritisch Sie selbst solchen Portalen gegenüber stehen. Lassen wir uns nicht alle im täglichen Online- und auch Offline-Leben von Bewertungen anderer bewusst oder unbewusst beeinflussen? Sei es das Hygiene-Ranking nach Ampelprinzip im Restaurant, die Leserbewertungen im Online-Buchshop oder auch die Hotel- bzw. Unterkunftsbewertung mit Sternen.

TIPP: Prüfen Sie regelmäßig, ob Ihr Unternehmen bereits Einträge auf dem Arbeitgeberbewertungsportal kununu hat und ziehen Sie die entsprechenden Konsequenzen! Nutzen Sie dazu unser Tool "Handlungshilfe Arbeitgeberbewertungsportale". Gute Ergebnisse können Sie aktiv an die Kandidaten kommunizieren, z. B. in Ihrer E-Mail Signatur.

Business man working, discussing business charts, strategy. Start Up Ideas Innovation Concept

Blogs (eigentlich: „Weblogs“) sind Webseiten, die wie ein Tagebuch aus einzelnen Einträgen nach Datum angeordnet sind. Der neueste Eintrag steht immer oben. Blogs werden verwendet, um schnell aktuelle Nachrichten, Kommentare, Meinungen oder Texte jeder Art im Internet zu publizieren. Blogs sind für die Autoren und die Lesenden ganz einfach zu bedienen: Die Autoren (Blogger) müssen einfach "nur schreiben" und sich nicht um technische Dinge kümmern. Die Leser können die Einträge kommentieren und so mit den Autoren und anderen Lesern diskutieren.

Quelle: Rainer Nehring auf www.verdi-blog.de

Interessante Blogs für Personalverantwortliche sowie für Bewerber und Bewerberinnen sind beispielsweise:

TIPP: Sie überlegen einen Unternehmens- und Auszubildendenblog zu integrieren? Dieser bietet interessierten Kandidaten und Kandidatinnen einen einmaligen Blick hinter Ihre Unternehmenskulissen. Ein gutes Beispiel für einen Azubigeführte Blog finden Sie hier - im Blog der Stadtwerke Halle.

Hand Hold Cell Smart Phone Social Network Communication Concept Flat Design Vector Illustrationmast3r - Fotolia

Laut Wikipedia ist Mikroblogging eine Form des Bloggens, bei der die Benutzer kurze, SMS-ähnliche Textnachrichten veröffentlichen. Die Länge dieser Nachrichten beträgt meist weniger als 200 Zeichen. Die einzelnen Postings sind entweder privat oder öffentlich zugänglich und werden wie in einem Blog chronologisch dargestellt. Die Nachrichten können meist über verschiedene Kanäle wie SMS, E-Mail, Instant Messaging oder das Web erstellt und abonniert werden.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mikroblogging

Der bekannteste und derzeit wichtigste Microblog ist Twitter. Textnachrichten enthalten maximal 140 Zeichen. Die Autoren von Beiträgen („Tweets“) werden als „Twitterer“ und Leser als „Follower“ bezeichnet.

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Videoportale sind Webseiten, die zum einen das Hochladen von Videos ermöglichen und zum anderen Videostreams auf einem eingebundenen Player kostenfrei zur Verfügung stellen. Das heißt, dass die Inhalte in der Regel von den verschiedenen Nutzern eingestellt werden und nicht nur vom Betreiber der Webseite.

Quelle: http://appz.sevenonemedia.de/download/publikationen/Videoportale_in_Deutschland.pdf

Bedeutsame Foto- und Videoplattformen sind:

TIPP: Auf der Suche nach Auszubildenden ging 2018 ein Video der Glaserei Sterz durch die Medien. Denn im Fachrkräftemangel müssen Personaler kreativ werden. Wie der Handwerkbetrieb bei der Azubisuche vorgeht, können Sie sich auf seinem Videoauftritt ansehen.

Soziale Kanäle haben sich fest im privaten, aber auch zunehmend im beruflichen Kontext verankert. So weißt das Webportal alexa.com die Videoplattform You Tube (Platz 2) und das Social Network Facebook (Platz 9) als Seiten unter den TOP 50 am häufigsten aufgerufenen deutschen Webauftritten aus. (Stand: 16. Juli 2020)

Viele Dienste werden mittlerweile von Unternehmen mehr oder weniger intensiv zur Unterstützung ihrer Personalarbeit genutzt. In den Recruiting Trends 2019 der Monster Worldwide Deutschland GmbH zeigt sich, dass sich insbesondere die Business Netzwerke XING und LinkedIn als Plattformen für Social Media Recruiting stark etabliert haben. Die neuen Medien WhatsApp, SnapChat und Instagram nehmen ebenso an Bedeutung bei der Ansprache von Kandidaten zu, werden aber im Vergleich zu den anderen sozialen Netzwerken wenig für das Recruiting genutzt. 

Was sollte mein Unternehmen bei der Nutzung sozialer Medien besonders beachten?

„Zielgruppe“

Wählen Sie die für Ihr Unternehmen geeigneten Social Media für das Recruiting von Kandidaten und Kanditatinnen aus. Ein Engagement bei XING und LinkedIn macht wenig Sinn, wenn Ihre Hauptzielgruppe Schüler und Schülerinnen sind. High Potentials werden Sie im Gegensatz dazu eher über XING für Ihr Unternehmen interessieren können. Weiterhin sollten Sie im Social Media Recruitng Ihr Augenmerk besonders auf Zielgruppenorientierung bzw. Zielgruppenansprache, Aktualität der Beiträge bzw. Postings, Kontinuität der Aktivitäten und Datenschutz legen.

„Zeitfaktor“

Die Planung, der Einsatz und die Betreuung von Social Media Recruiting benötigen Zeit. Der erforderliche Aufwand sollte gerade auch für die Betreuung nicht unterschätzt werden. Planen Sie also ausreichende personelle Ressourcen zum "Bespielen" Ihres Facebook- oder XING-Auftritts ein.

TIPP: Etwa jedes zweite Unternehmen hat eigens Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen eingestellt, die für die Pflege von sozialen Netzwerken verantwortlich sind (Recruiting Trends 2019). Alternativ können Sie auch die Talente Ihrer Beschäftigten ausschöpfen. Ermöglichen Sie zum Beispiel engagierten und IT-affinen Mitarbeitenden über das Unternehmen zu berichten. Oder lassen Sie die besten Auszubildenden einen Ausbildungsblog schreiben.

„Budget“

Wirksames Social Media Recruiting benötigt finanzielle Ressourcen. Deshalb sollte die Unternehmensleitung auch ein finanzielles Budget einplanen.

Welche Rolle spielen Social Media Guidelines für die Personalarbeit?

Social Media Richtlinien legen einen Handlungsspielraum für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eines Unternehmens in Bezug auf die Nutzung von sozialen Medien, wie zum Beispiel sozialen Netzwerken, Blogs, Wikis, Foto- oder Videoplattformen, fest. Im Allgemeinen enthält ein entsprechender Katalog sowohl gesetzliche Regelungen als auch generelle Handlungsempfehlungen, wodurch sich Unterschiede bezüglich der Verbindlichkeit der Richtlinien ergeben. Weiterhin gelten diese zunächst für den Fall, in dem sich Mitarbeitende im beruflichen Kontext auf digitalen Plattformen bewegen. Sie sind aber oft auch für den privaten Gebrauch zu berücksichtigen bzw. in Erwägung zu ziehen.

Werden Social Media Richtlinien befolgt, bewahrt dies das Unternehmen vor finanziellen Schäden, welche durch das Fehlverhalten von Mitarbeitenden hervorgerufen werden können. Zugleich schützen sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch die Einhaltung derartiger Richtlinien aber auch selbst. Vor allem, wenn soziale Medien Teil der Kommunikationsstrategie eines Unternehmens sind, sollte auf Social Media Richtlinien nicht verzichtet werden. In diesem Kontext ist es interessant, einen einen bereits erwähnten Aspekt der Recruiting Trends 2019 erneut anzuführen. Im Zusammenhang mit der Professionalität des Social Media Einsatzes, gaben nur 36,5 Prozent der Unternehmen an, einen schriftlich fixierten Social Media Kodex zu haben. Erschreckend ist, dass die Zahl im Vergleich zu 2012 um mehr als 10 Prozent gesunken ist.

TIPP: In unserer "Arbeitshilfe Social Media Richtlinien" erklären wir Ihnen die zehn wichtigsten Richtlinien für Ihr Social Media Recruiting an praxisnahen Beispielen.

Möchten Sie für Ihr Social Media Recruiting Richtlinien erstellen, können Sie die folgende Vorgehensweise anwenden:

  1. Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick, indem Sie Social Media Richtlinien anderer Unternehmen unter die Lupe nehmen. Diese sind öffentlich zugänglich und helfen Ihnen, ein besseres Verständnis für die Thematik sowie Anregungen für die Gestaltung Ihrer eigenen Richtlinien zu erhalten.
  2. Stimmen Sie die Richtlinien mit Ihrer Social Recruiting Strategie für die externe Kommunikation ab. Berücksichtigen Sie hierbei, welche Regeln im Hinblick auf Ihre Strategie zielführend sind. Gegebenenfalls können Aspekte der Kommunikationsstrategie integriert werden, um deren Motive für Ihre Mitarbeitenden transparent zu machen.
  3. Auch sollten die Richtlinien die Werte bzw. die Philosophie des Unternehmens berücksichtigen, um die Unternehmensreputation in geeigneter Weise zu festigen und kein konträres Unternehmensbild zu vermitteln.
  4. Definieren Sie Verantwortlichkeiten und stellen Sie einen Ansprechpartner für den Bereich Social Media zur Verfügung. So verhindern Sie, dass Mitarbeitende bei Unwissenheit bzw. Unklarheit Fehlentscheidungen treffen.
  5. Beachten Sie, dass gesetzliche Regelungen im Hinblick auf die Nutzung von sozialen Medien definitiv in den Richtlinien Katalog aufgenommen werden sollten. Die Definition weiterer, nicht gesetzesbezogener Richtlinien obliegt letztendlich Ihnen als Unternehmen.

TIPP: Eigene Social Media Richtlinien sind ebenfalls empfehlenswert, wenn Sie kein Social Media Recruiting durchführen, da Sie den Mitarbeitern Verhaltensrichtlinien für den privaten Gebrauch geben.

TIPP: Gehen Sie in Ihren Guidelines auch auf Fragen zum Datenschutz ein. Die Datensicherheit gehört zu den wichtigsten Auswahlkritierien von Social Media Kanälen bei den Nutzern. Die meisten Onliner wünschen sich im Hinblick auf soziale Netzwerke einen besseren Datenschutz und eine transparentere Datenverarbeitung. (Studie Soziale Netzwerke 2013, BITKOM)

Wofür können Social Media in der Personalarbeit noch eingesetzt werden?

Unternehmen nutzen Social Media Recruiting insbesondere, um Ihre Unternehmensbekanntheit bei potenziellen Kandidaten und Kandidatinnen zu steigern, Bewerbungen auf offene Stellen zu generieren und ihre Arbeitgebermarke (Employer Branding) zu stärken. Zu diesem Ergebnis kommt die Social Media Personalmarketing Studie 2018. Allerdings stellt sie auch fest, dass die Nutzungsintensität im Recruiting zwar zunimmt, aber in anderen Personalbereichen, wie zum Beispiel dem Personalmarketing, abnimmt.

Dabei können Sie mit Social Media noch mehr Ziele verfolgen, als die klassiche Veröffentlichung von Stellenanzeigen oder die Suche nach Informationen über Bewerberinnen und Bewerber.

„Personalmarketing und Employer Branding“

  • Aufbau und Pflege einer zielgruppenspezifischen positiven Arbeitgebermarke
  • Erhöhung der Identifikation der eigenen Beschäftigten mit dem Unternehmen

„Personalgewinnung“

  • Optimierung der Besucherzahlen auf der eigenen Karrierewebseite (Zugriffe auf Stellenprofile)
  • Einstellen von Stellenanzeigen für spezifische Zielgruppen
  • Zielgruppenspezifisches Social Recruiting potenzieller Kandidaten, z. B. Auszubildender über Facebook oder Führungskräfte über XING und LinkedIn
  • Aufbau eines Pools von interessierten Kandidaten

„Personalentwicklung“

  • Austausch in Expertennetzwerken (Kollegiale Beratung)
  • Eigene Weiterbildung und systematische themenbezogene Informationsgewinnung
  • Erarbeitung eines unternehmensinternem Forums zum Wissensmanagement, z. B. für die Einarbeitung von Mitarbeitenden oder die Ergebnisse von Projekten

„Mitarbeitermotivation“

  • Betreuung von Kollegen an anderen Standorten und im Ausland
  • Aktiver Umgang mit Feedback über Arbeitgeberbewertungsportale
  • Einbeziehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gestaltung von sozialen Netzwerken
  • Wertschätzung durch die Präsentation von Mitarbeiterstimmen und -leistungen auf den Plattformen

„Kooperation“

TIPP: In unserem "Wegweiser Social Media 2.0" haben wir Ihnen eine Übersicht über die Anwendung der Top Social Media Kanäle in verschieden HR-Bereichen, von Employer Branding und Recruiting bis Change Management, zusammen gestellt.

Wo kann ich mehr zum Thema erfahren?

Der Bundesverband für Personalmanager hat einen Beitrag zum Talent Relationship Management und Active Sourcing herausgegeben. Schwerpunkt der Publikation ist der Paradigmenwechsel im Recruiting im Rahmen der Digitalisierung und neuer Recruiting Kanäle. Der Talent Relationship Management Prozess wird hier im Detail erläutert und es werden Kennzahlen zum Active Sourcing geliefert. Den ganzen Beitrag finden Sie auf den Seiten des Anbieters (20 Seiten im PDF-Format).

BITKOM beschreibt in dem Leitfaden Social Media (93 Seiten im PDF-Format) unter anderem, welche Anwendungsfelder es für Social Media in Unternehmen gibt, wie sie eine Content Marketing Strategie entwickeln und welche rechtlichen Herausforderungen auf sie warten. Weiterhin finden Sie in dem Leitfaden drei Best-Practice-Beispiele.

Welche Fehler Sie im Social Media Recruiting vermeiden sollten, wird Ihnen in einem Beitrag auf der Seite von Saatkorn erklärt.

Von der Perwiss-Redaktion empfohlene Bücher zu Social Media Recruiting

Folgende Bücher liefern Ihnen praktische Anleitungen, Beispiele und Werkzeuge, die Sie beim Social Media Recruiting unterstützen und Sie bei der Ansprache von Kandidaten mithilfe der sozialen Netzwerke begleiten:

„Praxishandbuch Social Media Recruiting“

Praxishandbuch Social Media Recruting In dem „Praxishandbuch Social Media Recruiting“ (2020) von Ralph Dannhäuser beschreiben unterschiedliche Experten anschaulich, wie Recruiting von Kandidaten erfolgreich über Social Media Plattformen funktionieren kann. Dabei werden dem Lesenden sowohl die Vor- als auch die Nachteile, welche Social Media Recruiting beinhaltet, präsentiert und aufbereitet. Darüber hinaus werden angrenzende Themenbereiche wie „Employer Branding“ und „War for Talents“ angeschnitten. Die systematisch aufeinander aufbauendenden Rechtshinweise und Praxisbeispiele zum Recruitng, welche sich aus Leitfäden und Interviews zusammensetzen, bieten dem Lesenden eine erfolgsversprechende Grundlage, um effektiv im Social Media Recruiting agieren zu können. ISBN-13: 978-3658162801

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Was soll ich bloß posten?“

Erfolgsfaktor SourcingRoman Kmenta beantwortet in seinem Werk die titelgebende Frage „Was soll ich bloß posten? - 150+ kreative Content-Ideen für Ihr Social Media und Online Marketing: Perfekt für Unternehmer, Berater und Coaches“ (2020) und stellt damit Marketing Verantwortlichen Ideen und Tipps für konkrete Inhalte bereit. Von der Planung der Recruiting Strategie bis zu der inhaltlichen Planung von Beiträgen für ausgewählte Kanäle werden Leitfäden und Beispiele geliefert, sodass ein vielseitiges Portfolio geboten wird. Das Buch wirkt so als optimale Ergänzung für alle Online-Marketing Werke und begleitet Sie beim Werben um die besten Kandidaten. ISBN-13: 978-3903845145

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„Online-Kommunikation im Recruiting für KMU

51gKpNFTyRLSven Schnitzlers „Online-Kommunikation im Recruiting für KMU: Reifegrade von Employer Branding & Candidate Experience“ (2020) hilft Recruiterinnen und Recruitern im Einstellungsprozess über das Internet. Mithilfe eines Reifegradmodells werden Employer Branding und Recruiting analysiert und strukturiert. Mittels einer Schritt-für-Schritt Vorgehensweise wird so geholfen, das Recruitng von Kandidaten und die Kommunikation mit dem Bewerber oder der Bewerberin zukunftsträchtig zu gestalten. ISBN-13: 978-3658299767

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„Digitalisierung im Recruiting“

verhoevenTim Verhoeven gibt in „Digitalisierung im Recruiting: Wie sich Recruiting durch künstliche Intelligenz, Algorithmen und Bots verändert“ (2019) mit vielen Praxisbeispielen einen Überblick vom digitalen Recruiting. Gleichermaßen an Personalbeschaffer wie Arbeitgeber im Allgemeinen gerichtet, werden die Entwicklungen der letzten Jahre betrachtet sowie zukunftsweisende Technologien ins Auge gefasst. Chatbots, Online-Assessments oder auch Candidate Experience Verfahren sind einige Möglichkeiten, die Ihnen helfen Kandidaten von Ihrem Unternehmen zu überzeugen. ISBN-13: 978-3658258849

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„INSTAGRAM MARKETING“

51O3ZxVYHkL.jpgDas Instagram längst nicht nur ein Ort zum Bilder teilen und für Influencer ist, zeigt Autor Vincent Matthiesen in seinem Buch „INSTAGRAM MARKETING: Das Grundlagen Buch zu Online Marketing & Social Media. Effektiv bloggen, Follower bekommen & Reichweite aufbauen. Schritt für Schritt zum erfolgreichen Unternehmer & Influencer!“ (2019). Matthiesen erläutert die gängigen Methoden und deren Nutzen für Unternehmen, mittels des Mediums Instagram seine Reichweite sowie die Bekanntheit des Unternehmens, der eigenen Marke und der Produkte zu vergrößern. Wissenschaftlich basiert, bietet das Werk einen Schritt für Schritt Leitfaden für Leser jeglichen Wissensstandes über Instagram und bietet Ihnen damit Know how, um Kandidaten im Recruiting anzusprechen. ISBN-13: 978-1692473402

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„Der Social-Media-Zyklus“

61xv0HYx99LProf. Dr. Alexander Decker präsentiert in seinem Werk „Der Social-Media-Zyklus: Schritt für Schritt zum systematischen Social-Media-Management im Unternehmen“ (2019) einen strukturierten Ansatz für die strategische Ausrichtung von Unternehmen hinsichtlich Social Media im Recruiting. Mithilfe des strategiegeleiteten Social Media Zyklus' bietet das Werk eine Schritt für Schritt Anleitung für Unternehmen. Diese gliedert sich von der Entwicklung einer Social Media Strategie über die Arten von sozialen Netzwerken bis hin zu Praxistipps und Checklisten für den Alltag. Interessant sind auch die Tipps für Unternehmen, welche nicht aktiv Social Media betreiben wollen. ISBN-13: 978-3658228729

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Informationen zum Autor dieses Beitrags

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Oliver Lilie ist Arbeitswissenschaftler und geprüfter HR-Manager. Seit 1998 leitet er die MA&T Organisationsentwicklung GmbH als geschäftsführender Gesellschafter. Er begleitet und berät Unternehmen bei der Strategieentwicklung und der Gestaltung von Arbeitsprozessen. Führung, Personalmanagement und Change zählen zu seinen Trainingsthemen. Als einer der Hauptredakteure auf Perwiss befasst er sich insbesondere mit Arbeit 4.0, Führung und New Work.

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