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Mobbing am Arbeitsplatz – Das können Sie als Arbeitgeber tun!

© Fotolia - lightwavemedia

Mobbing äußert sich sehr vielschichtig: Getuschel am Kopierer, Stille wenn man den Raum betritt, keine Anerkennung für gute Arbeit oder bewusst zurückgehaltene Informationen.

Wo zahlreiche Persönlichkeiten aufeinandertreffen entstehen oftmals Konflikte. Dass man nicht jede Person im Büro sympathisch findet ist normal. Eskaliert die Situation, ist Mobbing meist nicht fern. Der Arbeitstag wird zum Spießrutenlauf und auch Zuhause ist von Ruhe keine Spur.

Arbeits- und Privatleben werden zum Alptraum, die Gesundheit und der Geist unheimlich belastet. Mobbing am Arbeitsplatz betrifft mehr und mehr Menschen, aber nur die wenigstens trauen sich aus ihrer Ohnmacht und Hilflosigkeit auszubrechen. In folgenden Artikel finden Sie Anzeichen von Mobbing unter Ihren Mitarbeitern und Handlungsempfehlungen, um die Betroffenen aus diesem Teufelskreis befreien zu können.

Mobbing oder Straining – Begriffsklärung

Mobbing am Arbeitsplatz ist ein Problem, was sich immer mehr verbreitet. Genaue Zahlen lassen sich schwer bestimmen. Die meisten Opfer schweigen aus Scham oder Angst vor Arbeitgeber und Kollegen. Auch lässt sich die Frage, ob man überhaupt gemobbt oder 'nur' gestraint wird, nur schwer klären.

Was ist Straining?

Als Straining bezeichnet man die subtilere und nicht so auffällige Art von Mobbing. Das Opfer wird durch einzelne Handlungen in die Isolation gezwungen. Dieser Ausschluss aus dem Arbeitsalltag verursacht eine erzwungene Stresssituation mit langanhaltenden Folgen.

Was ist Mobbing?

Der Begriff Mobbing kommt vom Englischen "to mob" und heißt so etwas wie anpöbeln, angreifen oder bedrängen. Die betroffene Person wird an ihrer Arbeitsstätte  gemobbt, wenn sie sich mit Kollegen oder Vorgesetzten in einem permanenten Konflikt befindet, indem sie systematisch in eine unterlegene Position gedrängt wird. Permanent heißt hier: über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten und mindestens einmal die Woche. Die Definition, was unter Mobbing zählt, wird nach Heinz Leymann bestimmt. Heinz Leymann hat langjährig zum Thema Mobbing geforscht und 45 Mobbing-Anzeichen zusammengestellt.

Unter echtes Mobbing zählt unter anderem:

  • Sexuelle Belästigung
  • Demütigung
  • Grundloses Herabwürdigen der Leistung
  • Betriebliche Isolation
  • Zuteilen nutzloser oder unlösbarer Aufgaben
  • Unangemessen häufige Arbeitskontrollen

Viele Betroffene können fortwährendem Mobbing und dem alltäglichen psychischen Druck nicht standhalten. Probleme im Büro übertragen sich so schnell auch auf das Privatleben.

Bossing und Staffing

Mobbing am Arbeitsplatz wird in "Bossing" und "Staffing" unterteilt. Am häufigsten kommt das "Bossing" vor. Hierbei wird von oben nach unten gemobbt. Führungskräfte schikanieren Untergebene. Opfer haben es hier sehr schwer, sich ihrem gegenüber Chef zu wehren. Beim "Staffing", was weitaus seltener vorkommt, handelt es sich um Mobbing gegen einzelne Führungskräfte von Seiten der Mitarbeiter. Der Zweck hierbei ist es, das Ansehen des Vorgesetzten zu zerstören und somit seinen Einfluss zu schwächen. Letzten Endes stört Mobbing nicht nur das Ansehen der Beteiligten, sondern vor allem die Arbeitsatmosphäre und das Betriebsklima erheblich.

So erkennen Sie Mobbing!

Es ist wichtig, Mobbing rechtzeitig zu erkennen, um systematisch und erfolgreich dagegen vorzugehen. Anfangs ist es dem Betroffenen und vor allem dem Arbeitgeber vielleicht gar nicht so bewusst oder sie nehmen es nicht ernst genug. Wenn jedoch eine schier grenzenlose Angst beim Gedanken an die Arbeit aufkommt, sollte man sich vielleicht einmal mehr Gedanken machen. Hier finden Sie fünf alarmierende Anzeichen für Mobbing am Arbeitsplatz:

  • Stress in der Dauerschleife: Erholung ist für Ihren Mitarbeiter ein Fremdwort. Er klagt davon, sich selbst im Urlaub nicht richtig erholen zu können. Der Urlaub dient allein dafür, sich emotional und mental auf die Arbeit vorzubereiten. Treffen Sie Ihn außerhalb der Arbeit, sieht er erleichtert und befreit aus. Am nächsten Tag im Büro wirkt er ängstlich und zurückgezogen.
  • Kritik, Kritik, Kritik: Fehler werden ihm von seinen Kollegen  immer und immer wieder vorgehalten und ständig wird mit Konsequenz gedroht. Die Job-Kompetenz Ihres Mitarbeiters wird permanent in Frage gestellt und es wird sich ständig beschwert.
  • Hinterhalt an jeder Ecke: Tratsch und Lügen hört man über den Betroffenen am Kopierer, am Tisch hinter Ihm und auf der Toilette. Wirklich überall wird schlecht über Ihren Mitarbeiter geredet und meistens entspricht das unangemessene Gerede nicht einmal der Wahrheit. Gerede ist das eine, Sabotage das andere. Unterlagen verschwinden, der Computer scheint plötzlich nicht mehr zu funktionieren und die Präsentation wurde gleich mitgelöscht. Auch haben Sie den Eindruck, einige Mitarbeiter geben die Arbeit eines anderen als ihre aus.
  • Einsam im Büro: Ob bei der Mittagspause, beim Meeting, bei der After-Work-Party oder am Plausch an der Kaffeemaschine: Dieser eine Mitarbeiter ist nie dabei. Das ist keinesfalls seine eigene  Schuld. Der Betroffene wird systematisch von allem ausgeschlossen oder erst gar nicht benachrichtigt. Nicht jeder ist jedem sympathisch, aber so ein konsequenter Ausschluss ist einfach nur gemein und hinterhältig.
  • Unlösbares lösbar machen: Der Betroffene wird mit Aufgaben konfrontiert, die er gar nicht lösen kann. Die Frist ist zu kurz oder die Aufgabe einfach nicht in seinem Aufgabengebiet. Diese Art von Mobbing dient der Schikane und der Demütigung. Ebenfalls beliebt: Aufgaben verteilen, die permanent unterfordern. Er wird mit Projekten beauftragt, die deutlich unter seinem Niveau liegen.

Trifft etwas von diesen Aussagen auf einen Ihrer Mitarbeiter zu, sollten bei Ihnen schnellstens die Alarmglocken läuten.

Warum wird am Arbeitsplatz gemobbt?

Am Ende des Tages fragen Sie sich sicherlich: Warum wird am Arbeitsplatz gemobbt? Gründe gibt es sicherlich viele. Einige sind hier zusammengestellt:

Neid: Der Mitarbeiter liefert immer gute Leistungen ab und erledigt die Aufgaben gewissenhaft und zielstrebig. Die Kollegen beneiden ihn um seine Fähigkeiten und denken, dass er niemals Fehler macht. Die Kollegen fühlen sich gezwungen, für Fehler zu sorgen und versuchen ihn so in einem schlechten Licht dastehen zu lassen.

Gutes Verhältnis zum Chef: Der Mitarbeiter hat einen guten Draht zu Ihnen / zu Ihrem Chef und das ist den Kollegen nicht entgangen. So wird er schnell als Liebling abgestempelt und fällt in die Ungunst seiner Mitstreiter. Diese nehmen zudem Abstand von ihm, weil befürchtet wird, dass er Informationen oder Vertrauliches an den Chef weiterleitet.

Eigenes Verhalten: Vielleicht hat der Mitarbeiter sich die Antipathie seiner Kollegen auch selbst zuzuschreiben? Vielleicht hat er sich irgendjemandem gegenüber arrogant und herablassend verhalten, ohne es zu merken und das hat sich herumgesprochen.

Was Sie als Arbeitgeber tun sollten

Als Führungspersönlichkeit müssen Sie auch in angespannten Situationen einen kühlen Kopf bewahren und sich für Ihre Mitarbeiter und das Arbeitsklima einsetzen. Hier einige Tipps:

  1. Gleichberechtigung: Behandeln Sie jeden Mitarbeiter gleich, ganz egal ob Ihnen einer sympathischer ist als der andere. Beschränken Sie die Kommunikation auf das Berufliche, so entsteht nicht der Eindruck, dass Sie einer Person näher stehen. Team-Meetings und Arbeitsausflüge planen. Das bringt Sie jedem Mitarbeiter auf gleicher Weise näher und das Team rückt ebenfalls näher zusammen.
  2. Offene Ohren und Augen: Achten Sie immer auf die alarmierenden Zeichen und hören Sie bei dem Getuschel doch einmal genauer hin. Bei angespannten Situation immer versuchen die Lage zu entspannen. Führen Sie Mitarbeiter-Gespräche um Missverständnisse und Unzufriedenheit zu erkennen und zu beseitigen. Sprechen Sie mit Mobber und Betroffenen und versuchen Sie eine Lösung zu finden. Wenn der Mobber keine Einsicht zeigt, können Sie auch mit Konsequenzen drohen. Machen sie jedoch deutlich, dass die Initiative von Ihnen ausgeht und nicht vom Betroffenen. Dieser könnte dann nur noch mehr zur Zielscheibe werden.
  3. Ursachen finden: Versuchen Sie durch weitere Gespräche herauszufinden, worin das Problem der Beteiligten besteht. Die Ursache muss nicht nur gefunden werden, sondern auch schnellstmöglich beseitigt werden. Nur so kann ein gutes Arbeitsklima für alle Mitarbeiter gewährleistet werden. Machen Sie den Mobbern bewusst, wie sich der Betroffene fühlt. Oft ist gar nicht die gemobbte Person das Problem, sondern der Mobber, der ein Ventil für seine Probleme sucht.
  4. Klare Ansagen: Positionieren Sie sich klar gegen Mobbing in Ihrer Firma und machen Sie deutlich, dass dies in Ihrer Firma nicht geduldet wird. Seien Sie ein Vorbild und vermeiden Sie unfaire Behandlung Ihrer Mitarbeiter und eine zu laute Lautstärke.
  5. Sanktionierung: Drohen Sie den Mobbern mit Sanktionen. Hilft die Drohung nicht, dann machen Sie ernst. Abmahnungen, Degradierung oder im schlimmsten Fall die Kündigung. So setzten Sie ein klares Zeichen gegen Mobbing in ihrer Firma. Bleiben Sie trotzdem gerecht, aber konsequent.

Exkurs: Tipps für Gemobbte - Was Sie als Betroffener tun sollten

Es ist Aufgabe des Vorgesetzten, dafür zu sorgen, dass ein gutes und menschliches Arbeitsklima herrscht. Wenn der Mobber nicht gerade der Vorgesetzte ist, sollten Sie sich als erstes an ihn wenden. Ansonsten versuchen Sie es mal mit diesen drei Strategien:

  1. Ignorieren: Zeigen Sie dem Mobber die kalte Schulter und tun Sie so, als ob alles an Ihnen abprallt. Lassen Sie die Kollegen reden und tratschen: Sie wissen es schließlich besser! Oft verlieren Mobber die Lust am Mobbing, wenn sie sehen, dass ihre Handlungen zu nichts führen.
  2. Angreifen: Kontra geben heißt das Zauberwort! Versuchen Sie mit dem Mobber zu sprechen und gehen Sie erst dann zu Ihren Vorgesetzten. Zeigen Sie ihm, wie lächerlich sein Verhalten ist und Sie dagegen vorgehen werden. Notfalls mit juristischer Hilfe. Sammeln Sie Beweise und Zeugen, falls es zu einer Anzeige kommen sollte.
  3. Rückzug: Wenn nicht einmal mehr der Weg zum Chef hilft, denken sie über eine berufliche Alternative nach. Damit geben Sie den Mobbern zwar ihren Willen, aber können wieder ruhig und entspannt leben.
Informationen zum Autor dieses Beitrags

oliver lilieFoto: Dirk Mahler

Sarah Rögner ist Arbeits- und Organisationspsychologin sowie ausgebildeter Karriere-Coach und ausgebildete Mediatorin. Seit 2011 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der MA&T Organisationsentwicklung GmbH. Sie trainiert und coacht Führungskräfte und begleitet Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Teams. Effektives Kommunizieren sowie der konstruktive Umgang mit Konflikten gehören zu ihren Trainingsthemen. Als eine der Hauptredakteurinnen auf Perwiss befasst sie sich u. a. mit Personalkommunikation, Mitarbeitermotivation und Personalentwicklung.