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Staatliche Förderungen durch das Qualifizierungschancengesetz

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Zum Jahreswechsel 2018/2019 ist das so genannte Qualifizierungschancengesetz in Kraft getreten. Die ehemals als WeGebAU bezeichnete Weiterbildungsförderung ist ein wichtiger Teil der Qualifizierungsoffensive der Bundesregierung. Doch welche staatlichen Förderungen können Unternehmen erhalten? Und welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt werden?

Schon seit vielen Jahren befindet sich die Arbeitswelt im digitalen Wandel. Um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch besser auf die Industrie 4.0 vorzubereiten, wurde lange Zeit händeringend nach einer Lösung gesucht. Nun glaubt man, sie gefunden zu haben – mit dem Qualifizierungschancengesetz.

Was ist das Qualifizierungschancengesetz?

Ins Leben gerufen wurde das Qualifizierungschancengesetz, um die Weiterbildung und Qualifizierung aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu fördern. Dies soll unabhängig von der Branche, dem Alter und dem Arbeitgeber geschehen. Das als QuaChaG abgekürzte Gesetz verfolgt das Ziel, dass mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als bisher eine Weiterbildung absolvieren, um so die richtigen Qualifizierungen für die digitalisierte Arbeitswelt zu erhalten. Darüber hinaus setzt das Qualifizierungschancengesetz auch einen niedrigeren Beitrag zur Arbeitslosenversicherung sowie eine höhere Zeitgrenze bei kurzfristiger Beschäftigung um.

Sowohl für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber bringt das neue Gesetz viele Vorteile mit sich. So sind etwa Zuschüsse zur Weiterbildung für den Arbeitgeber vorgesehen. Arbeitnehmende erhalten hingegen das Recht auf eine Weiterbildungsberatung.

Wie hoch fällt die Förderung aus?

Um die wirtschaftliche Kraft deutschlandweit zu stärken, sieht das Qualifizierungschancengesetz Zuschüsse für Unternehmen vor. Diese Weiterbildungsförderung ist in § 82 Abs. 2 SGB III geregelt. Hier wurde festgehalten, dass sich die Höhe der Zuschüsse für Unternehmen nach der Unternehmensgröße richtet. Vorgesehen sind folgende Förderungen:

  • Kleinunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern: Kleinunternehmen müssen sich nicht an den Weiterbildungskosten beteiligen. Sie müssen lediglich 25 % der Lohnfortzahlungskosten tragen. Der Rest wird von der Bundesagentur für Arbeit übernommen.
  • Unternehmen mit 10 bis 249 Beschäftigten: Mittelständische Unternehmen müssen 50 % der Weiterbildungskosten selbst tragen. An den Lohnfortzahlungskosten beteiligt sich der Staat zu 50 %.
  • Unternehmen mit 250 bis 2.499 Beschäftigten: Größere Unternehmen können immerhin noch eine Förderung von bis zu 25 % erhalten. Sie tragen die Lohnfortzahlungskosten in Höhe von bis zu 75 %.
  • Unternehmen mit mehr als 2.500 Beschäftigten: Großunternehmen können für Weiterbildungen staatliche Zuschüsse in Höhe von bis zu 15 % erhalten. Bei Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen mit Qualifizierungselementen sind bis zu 20 % möglich. Die Lohnfortzahlungskosten müssen auch sie zu 75 % selbst tragen.

Unabhängig von der Unternehmensgröße gilt: Bei einem fehlenden Berufsabschluss und berufsabschlussbezogenen Weiterbildungen ist eine Förderung von bis zu 100 % möglich.

Welche Voraussetzungen gibt es für die staatliche Förderung?

Damit eine Weiterbildungsförderung stattfinden kann, müssen fünf Voraussetzungen erfüllt werden. Nachlesen lassen sich diese in § 82 SGB III. Wenn diese fünf Voraussetzungen gegeben sind und der Arbeitgeber einen Kostenbeitrag leistet, werden die Weiterbildungskosten je nach Unternehmensgröße teilweise oder ganz von der Agentur für Arbeit übernommen.

Folgende Voraussetzungen müssen für die staatliche Förderung gegeben sein:

Während der Weiterbildung erwirbt der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin Kenntnisse und Fähigkeiten, welche über ausschließlich arbeitsplatzbezogene kurzfristige Anpassungsfortbildungen hinausgehen.

Ebenso Voraussetzung ist, dass der Erwerb des Berufsabschlusses, bei dem eine Ausbildungsdauer von mindestens 2 Jahren besteht, mindestens 4 Jahre zurückliegt.

Außerdem darf der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin in den letzten 4 Jahren vor Antragstellung nicht an einer nach dieser Vorschrift geforderten beruflichen Weiterbildung teilgenommen haben.

Die Weiterbildungsmaßnahme muss außerhalb des Unternehmens oder von einem zugelassenen Träger im Betrieb durchgeführt werden und eine Dauer von mehr als 160 Stunden umfassen.

Sowohl die Maßnahme selbst als auch der Träger der Maßnahme müssen für die Förderung zugelassen sein.

Die Inhalte des Fachportals PERWISS stellen keine Rechtsberatung dar und können auch keine den konkreten Einzelfall betreffende Rechtsberatung ersetzen. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen und keine Haftung dafür, dass das jeweilige Dokument für den von Ihnen angedachten Anwendungsbereich geeignet ist.

Informationen zum Autor dieses Beitrags

oliver lilieFoto: Dirk Mahler

Sarah Rögner ist Arbeits- und Organisationspsychologin sowie ausgebildeter Karriere-Coach und ausgebildete Mediatorin. Seit 2011 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der MA&T Organisationsentwicklung GmbH. Sie trainiert und coacht Führungskräfte und begleitet Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Teams. Effektives Kommunizieren sowie der konstruktive Umgang mit Konflikten gehören zu ihren Trainingsthemen. Als eine der Hauptredakteurinnen auf Perwiss befasst sie sich u. a. mit Personalkommunikation, Mitarbeitermotivation und Personalentwicklung.