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Formulierungen im Arbeitszeugnis

© fotolia - Marco2811

Abgesehen von den Leistungsbewertungen, die für eine Schulnote stehen, gibt es eine ganze Reihe an Formulierungen, die indirekt Kritik am Arbeitnehmer üben, selbst wenn sie eigentlich positiv klingen. Dabei wird oftmals vom "Geheimcode" in Arbeitszeugnissen gesprochen. Unter Umständen meint die Person, die das Zeugnis erstellt hat, gar nicht, was der Formulierung im Code als Bedeutung zugeschrieben wird, aber der Arbeitnehmer selbst oder der nächste potenzielle Arbeitgeber versteht sie so. Deshalb sollten sich Arbeitgeber des Codes bewusst sein, um zu vermeiden, dass man ausversehen mehr sagt, als beabsichtigt war.

Allgemeine muss man aber beachten, dass alle Formulierungen im Kontext zu sehen sind und einzeln auftretend überhaupt nichts bedeuten müssen. Je nach Tätigkeitsfeld können Formulierungen, die für den Einen negativ sind für den Anderen positiv sein. Auch das einzelne Auftreten solcher Formulierungen im Arbeitszeugnis sollte noch kein Anlass für Bedenken sein.

Übersicht über häufig vorkommende Formulierungen

Formulierung Bedeutung
… trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Arbeitsklimas bei. Alkohol am Arbeitsplatz
… erledigte alle Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse. Der Wille war da, aber zum Erfolg hat es nicht gereicht
… verfügt über Fachwissen und zeigt ein gesundes Selbstvertrauen. Hat geringe Fachkenntnisse und ist vorlaut
… zeigte ein gutes Einfühlungsvermögen in die Belange der Belegschaft. Flirtet am Arbeitsplatz
… verstand es, alle Aufgaben erfolgreich zu delegieren. Arbeitnehmer war faul und wälzte alle Arbeit auf Kollegen ab
Für die Zukunft wünschen wir ihm alles Gute, besonders Erfolg. Erfolg hatte der Arbeitnehmer hier keinen
… erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß. Keine Eigeninitiative
… arbeitete mit größter Genauigkeit. Langsam und pedantisch
… hatte umfassendes Verständnis für die Belange der Mitarbeiter. Homosexuell
… verlässt uns im gegenseitigen Einvernehmen. Kündigung durch den Arbeitgeber

Arten von Formulierungen im Arbeitszeugnis

Nicht nur bestimmte Phrasen üben versteckt Kritik, auch die Verwendung von Stilmitteln lässt den Arbeitnehmer im Arbeitszeugnis schlecht aussehen.

Umstellung der Reihenfolge

Werden unwichtige Tätigkeiten vor wichtigen genannt, deutet das darauf hin, dass der Arbeitnehmer die wichtigeren Aufgaben nicht zufriedenstellend erledigt hat. Wird bei einer Sekretärin zuerst das Bestellen von Büromaterialien und erst dann das Erledigen von Schriftverkehr genannt, deutet das an, dass das zweite nur nachlässig erfolgte. Auch die folgende Formulierung lässt Zweifel aufkommen:

Ihr Verhalten gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Vorgesetzten war einwandfrei.

Normalerweise würden Vorgesetzte zuerst genannt werden. Das Nachstellen legt hier also nah, dass es zwischen Arbeitnehmer und Vorgesetzten Konflikte gab.

Selbstverständliches und übertriebene Ausführlichkeit

Wird Selbstverständliches betont, könnte das andeuten, dass eben das mangelhaft war oder nur den minimalen Anforderungen entsprach. Zu solchen Selbstverständlichkeiten gehören zum Beispiel Pünktlichkeit und gute Kommunikation mit den Kollegen bei Führungskräften.

Werden unwichtige Aufgaben über die Gebühr detailreich ausgeführt, entsteht der Eindruck, dass wichtige Aufgaben dafür vernachlässigt wurden.

Ironie und Übertreibung

Was Ironie ist und was nicht, ist für den Leser nicht immer erkennbar und ist im Arbeitszeugnis allgemein fehl am Platze.

Bsp.: Er verfügt über ein bemerkenswertes Bildungsniveau, mit dem er gesellschaftliche Anlässe stets bereicherte.

Was auf den ersten Blick positiv wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen, als eine Übertreibung, die auf große Geschwätzigkeit hindeutet.

Verneinungen

Positive Äußerungen, die Verneinungen enthalten, wirken durch die Verwendung von "nicht" oder "kein" automatisch negativ.

Bsp.: Er war nie unpünktlich. oder Ihr Verhalten war ohne jede Beanstandung.

In der verneinten Formulierung klingt es genau so, als ob er unpünktlich gewesen sein und ihr Verhalten sehr wohl zu beanstanden sei.

Fehlende Betonung

Da die Formulierung des Arbeitszeugnisses prinzipiell positiv ausfallen muss, muss speziell betont werden, wenn die Leistung tatsächlich gut oder sehr gut war. Der Unterschied zwischen "zu unserer Zufriedenheit" und "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" ist ein gewaltiger, wenn auch beides erst einmal positiv klingt. Dabei entspräche die erste Formulierung gerade mal der Schulnote 4, Ausreichend.

Auslassen

Feststehende Formulierungen haben sich bei Arbeitszeugnissen längst herausgebildet und wenn Teile einer solchen Formulierung unterlassen werden, kann man davon ausgehen, dass der Arbeitnehmer den Anspruch eben dieses fehlenden Teils nicht erfüllt, selbst wenn es nie direkt angesprochen wird.

Bsp.: Sie war stets fleißig und pünktlich.

Für gewöhnlich wird im selben Atemzug wie Fleiß und Pünktlichkeit auch Ehrlichkeit benannt. Dass dieser Punkt ausgelassen wurde, deutet also darauf hin, dass sich die Arbeitnehmerin in punkto Ehrlichkeit Aussetzer geleistet hat.

Passive Formulierungen

Eine Häufung von passiven Formulierungen distanziert den Arbeitnehmer vom Arbeitgeber und deutet auf ein schlechtes Verhältnis hin.

Bsp.: Frau Müller wurden folgende Aufgaben übertragen: …

Korrekt müsste es heißen: Frau Müller war verantwortlich für folgende Aufgaben: …

Einschränkungen

Einschränkung können die Arbeitsleistung oder das Verhalten des Mitarbeiters in Frage stellen.

Bsp.: Im Rahmen seiner Fähigkeiten hat er die ihm gestellten Aufgaben stets zufriedenstellend erfüllt.

Diese Formulierung legt nahe, dass es mit den Fähigkeiten des Arbeitnehmers nicht besonders weit her ist.

Knappe Aussagen

Bei sehr kurzen und knappen Formulierungen drängt sich der Eindruck auf, man habe nicht mehr Positives zu berichten gehabt.

Bsp.: Er arbeitete stets zuverlässig.

Die Verwendung von nur einem Adjektiv legt nahe, dass das alles ist, was es über den Arbeitnehmer zu sagen gibt. Er arbeitete also nicht beispielsweise auch ordentlich und zügig.

Floskeln

Werden nur allgemeingültige Formulierungen verwendet und die Leistung des Arbeitnehmers überhaupt nicht individuell bewertet, liest es sich so, als gäbe es nichts weiteres Positives über den Arbeitnehmer zu sagen.

Widersprüche

Formulierungen, die auf unterschiedliche Schulnoten schließen lassen und somit widersprüchlich sind, treffen im Endeffekt gar keine Aussage über die Leistung des ehemaligen Mitarbeiters.

Bsp.: Herr Schneider war jederzeit um zeitnahe Umsetzung bemüht und erledigte seine Aufgaben stets selbstständig mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit.

Der erste Teil des Satzes spiegelt die Note "Mangelhaft" wieder, wohingegen der zweite Teilsatz für "Sehr gut" steht. Insgesamt bleibt die schlechtere Note im Gedächtnis