Trennung mit Stil und Mehrwert für Unternehmen und Beschäftigte gestalten!
MASP - Fotolia.comUnternehmen und Beschäftigte trennen sich aus ganz unterschiedlichen Gründen voneinander. Oftmals führen wirtschaftliche oder persönliche Entscheidungen zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmenden. Diese kann sowohl vom Unternehmensleiter als auch von den Beschäftigten ausgehen. In den meisten Fällen hat eine Kündigung unangenehme Folgen mindestens für eine, meist jedoch für beide Seiten.
Der Trennungsprozess selbst ist oft mit Konflikten gespickt und durch einen „faden“ Beigeschmack gekennzeichnet. Zur Reduktion von Konfliktkosten, der Vermeidung vom Imageschäden sowie Motivations- und Leistungsabfällen empfiehlt es sich, ein gutes Trennungsmanagement zu implementieren.
Wo liegen die Wurzeln von professionellem Trennungsmanagement und welchen Stand hat Outplacement heute in Deutschland?
Viele Quellen geben als Ursprung von Outplacement Beratung die systematische Wiedereingliederung von US-Soldaten in das nichtmilitärische Berufsleben nach dem 2. Weltkrieg an. Ende der 60er bzw. in den 70er Jahren zählte William J. Morin zu den Gründern der ersten Outplacement-Beratungsunternehmen. Im deutschsprachigen Raum setzte sich Outplacement beginnend mit den 80er Jahren durch.
Mittelweile sollen ca. drei Viertel der TOP 500 Unternehmen Outplacement als systematische Beratungsform bei der Mitarbeitertrennung einsetzen. In der Studie zum Thema des Trennungsmanagements vom Lehrstuhl für Personalwirtschaft an der Universität Hamburg geben knapp 72 Prozent der Firmen, die ihren Personalbestand reduziert haben, an, dass sie den zu kündigenden Arbeitnehmer Outplacement-Leistungen anbieten. Im Jahr 2009 betrug der Umsatz der Branche in Deutschland mehr als 50 Mio. Euro.
Welche Philosophie steckt hinter Outplacement?
William J. Morin formulierte den für Outplacement prägenden Satz: „Termination should end the job, not the man" (Eine Entlassung soll die Beschäftigung, aber nicht die Existenz beenden.).
Outplacement (Außenvermittlung), häufig auch als Newplacement bezeichnet, verfolgt das Ziel, von Entlassung bzw. von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte in eine neue Beschäftigung außerhalb des Unternehmens zu bringen. Für ausscheidende Beschäftigte wird von Betrieben professionelle Hilfe zur Selbsthilfe für die berufliche Neuorientierung/-positionierung angeboten. Outplacement Beratung bedeutet nicht Stellensuche für die betroffenen Personen, sondern deren Unterstützung bei der „Suche nach einer neuen Karriere“. Diese vom Unternehmen finanzierte interne oder externe Dienstleistung mündet oftmals im Abschluss eines neuen Arbeitsvertrags.
Ziel eines guten Outplacements ist es, die Beendigung des Arbeitsverhältnisses fair und mit einem Win-Win-Ergebnis für ehemaligen Mitarbeiter und Arbeitgeber zu gestalten. Negative Begleiterscheinungen sollen weitestgehend vermieden werden.
Welche Ursachen können zu einer Trennung des Arbeitgebers von Beschäftigten führen?
Gründe, die zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses seitens des Unternehmens führen, sind oft durch das Streben nach größerer Wirtschaftlichkeit oder der Wiedererlangung von verlorener Wettbewerbsfähigkeit begründet. Folgende nicht personenbedingte Gründe können insbesondere angeführt werden:
- Unternehmenszusammenschlüsse
- Zentralisierung von Geschäftseinheiten
- Erschließung von neuen Geschäftsfeldern und neuen Märkten
- Einstellen bisheriger Geschäftsfelder
- Ausgliederung von Unternehmensbereichen an andere Standorte oder in andere Länder
- Absatzschwierigkeiten durch Markteinbrüche in bestimmten Geschäftsfeldern oder auf bestimmten Märkten
- Rationalisierung durch die Einführung neuer Technologien
- Insolvenzen
Welchen Nutzen haben Firmen und Beschäftigte von professionellem Outplacement?
Entlassungen sind durch eine Vielzahl negativer Nebenwirkungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gekennzeichnet. Die Ergebnisse der Kienbaum Studie „Personalkostenreduzierung und Outplacement“ aus dem Jahr 2009 zeigen, dass Unternehmen im Zusammenhang mit Entlassungen am meisten fürchten:
- die Verschlechterung des Arbeitgeberimages (67 %),
- die Störung des Betriebsfriedens (62 %) und
- das Verbreiten negativer Gerüchte (53 %).
Wie der Betrieb den Trennungsprozess gestaltet, hat somit wesentliche Auswirkungen auf das Image des Unternehmens als Arbeitgeber (Employer Branding), die künftige Rekrutierung von Fach- und Führungskräften und die Identifikation und Motivation der verbliebenen Beschäftigten.
Der Nutzen für die Betroffenen besteht in:
- der besseren Verarbeitung der neuen Situation und einer möglichen Frustration,
- der objektiven Einschätzung bzw. Analyse der eigenen Stärken und Schwächen,
- der Verbesserung der Chancen des Bewerbungserfolgs durch bessere Marktkenntnisse der Beratenden,
- der Nutzung des Netzwerks und des nicht öffentlichen Arbeitsmarktes der Outplacement Beratung,
- der aktiven Unterstützung bei der Bewältigung einer persönlichen Krise,
- der Verminderung des Risikos beruflicher Fehlentscheidungen und
- der Förderung von Motivation und Selbstvertrauen.
Effekte, die auf Seiten des Unternehmens entstehen sind:
- die Vermeidung bzw. Verringerung von internen und externen Imageverlusten bei den Beschäftigten am Arbeitsplatz und als potenzieller Arbeitgeber,
- die Vermeidung von Reibungsverlusten am Arbeitsplatz in der Restlaufzeit des Beschäftigungsverhältnisses,
- die Verringerung von Motivations- und Leistungsverlusten bei den Ausscheidenden und den weiterhin Beschäftigten,
- die Reduktion von Kosten für den Trennungsprozess,
- die Vermeidung oder Verringerung von Rechtsstreitigkeiten nach Ende des Beschäftigungsverhältnisses,
- das Wahrnehmen von sozialer Verantwortung gegenüber ausscheidenden Mitarbeitern und
- die „Beruhigung“ von Geschäftspartnern.
Welche Nachteile und Risiken können durch Outplacement entstehen?
Für eine erfolgreiche Outplacementberatung gibt es keine 100%ige Erfolgsgarantie. Dies bezieht sich sowohl auf den Vermittlungsprozess als auch auf einen potenziellen späteren Vorgesetzten. Außer den für die Firma entstehenden Beratungskosten und der investierten Zeit liegen die Nachteile und mit Outplacement verbundenen Risiken somit weitestgehend auf der Seite der Menschen, die ihre Arbeitsstelle verlassen müssen. Zu diesen zählen beispielsweise:
- keine Vermittlung auf Grund eines begrenzten Budgets für das Trennungsprogramm,
- Vermittlung durch zu schnelles Vorgehen und Bewerbung in ein nicht „passendes“, neues Unternehmen, auf Grund zeitlicher Vorgaben des Auftrag gebenden Unternehmens,
- Einbußen der Arbeitnehmenden beim Entgelt oder anderen Leistungen und
- mögliches Aufgeben von vertraglichen oder rechtlichen Sicherheiten wie Kündigungsfristen oder das Anrecht darauf durch die Agentur für Arbeit unterstützt zu werden (z. B. Sperrfristen).
Trotz dieser Risiken überwiegen die Chancen, vorausgesetzt bestimmte Rahmenbedingungen werden eingehalten. Grundprinzipien des gesamten Trennungsprozesses sollten Fairness und Transparenz sein. Ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Erfolgsfaktor ist die Auswahl eines guten Beratungsunternehmens. Das Budget, die investierte Zeit und die damit verbundenen Unterstützungsmaßnahmen sollten individuell auf den jeweiligen Fall zugeschnitten sein.
Welche Zielgruppen gibt es?
Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus den oben genannten Gründen kann Beschäftigte aller Hierarchieebenen betreffen. Betroffen sein können einzelne Personen, Abteilungen, Geschäftsbereiche und ganze Standorte. Aus diesem Grund sollten Unterstützungsangebote eines Trennungsprozesses sehr individuell auf den jeweiligen Fall zugeschnitten sein.
In der Praxis kann in Einzel- und Gruppenoutplacement unterschieden werden. Einzeloutplacements konzentrieren sich auf die individuelle Situation einer betroffenen Person. Sie finden in der Regel außerhalb des Unternehmens, meist in dem Beratungsunternehmen statt. Bei den Einzeloutplacements können befristete Programme ohne Erfolgsgarantie und unbefristete Programme mit Erfolgsgarantie unterschieden werden. Gruppenoutplacements kommen zum Einsatz wenn eine größere Personenanzahl von Entlassungen betroffen ist. Gruppenoutplacements werden meist im Unternehmen in Form von Seminaren und Workshops durchgeführt.
Ursprünglich richtete sich Outplacement vor allem an führende Kräfte. Zunehmend bieten Unternehmen auch Beschäftigten anderer Hierarchieebenen finanzierte Beratungsleistungen im Trennungsprozess an. Verschiedene Beratungseinrichtungen haben sich auf ältere ausscheidende Beschäftigte (über 50 Jahre) spezialisiert.
Wie lange dauert ein Trennungsprogramm?
Die meisten auf dem Markt angebotenen Outplacement-Programme weisen eine Zeitdauer zwischen drei und neun Monaten auf. Neben diesen zeitlich befristeten Programmen gibt es auch unbefristete Outplacements (mit Erfolgsgarantie). Mit zunehmender Dauer steigen einerseits die Kosten, andererseits erhöht sich auch die Erfolgsquote der Beratung.
Wie läuft eine Outplacement-Beratung ab?
Der Outplacement-Beratungsprozess kann im Wesentlichen in fünf Schritte untergliedert werden.
1. Aufarbeitung der Trennungssituation: Der bzw. die Outplacementberater/in unterstützt im ersten Schritt die Trauerarbeit und die Verarbeitung der Krisensituation im geschützten Raum. Eine Ursachenanalyse für die Kündigung gehört ebenso dazu und stellt die Überleitung zur Standortbestimmung dar.
2. Individuelle Potenzialanalyse und Standortbestimmung: In diesem Schritt werden die beruflichen und persönlichen Stärken identifiziert. In der Regel wird ein aktuelles Kompetenzprofil erstellt. Viele Beratungseinrichtungen setzen standardisierte Testverfahren zur Kompetenzermittlung ein.
3. Entwicklung einer Zielvorstellung: Auf Basis der Standortbestimmung werden eine Zukunftsvision und konkrete berufliche Ziele gemeinsam herausgearbeitet. Zu diesen Zielen gehört die Definition einer auf Basis des Kompetenzprofils möglichen und gewünschten Tätigkeit, einer Position und des Gehalts. Ebenso werden sich anschließende Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie Vorstellungen über die Zielbranche und das regionale Einsatzgebiet thematisiert.
4. Stellensuche: Sind die Zielvorstellungen klar herausgearbeitet, beginnt die Suche nach geeigneten Arbeitgebern. Die Beratungseinrichtung agiert unterstützend in diesem Schritt die Entwicklung einer Such- und Marketingstrategie und die Recherche nach geeigneten neuen Arbeitgebern in öffentlichen und nichtöffentlichen Datenbanken.
5. Aufarbeitung und Gestaltung der Bewerbungsunterlagen: Zunächst wird der aktuelle Stand der Bewerbungsunterlagen geprüft. Danach setzt die Optimierungsarbeit an. Sowohl der Lebenslauf als auch vorliegende Zeugnisse müssen zur jeweiligen Bewerbung passen.
6. Training für die Bewerbungssituation: Was in den schriftlichen Unterlagen wie Zeugnissen und Lebenslauf versprochen wird, sollte ein zukünftiger Vorgesetzter auch in der Realität wiederfinden. Zu diesem Zweck werden Telefontrainings und die Simulation von Bewerbungsgesprächen sowie Bewerbungssituationen durchgeführt. Eine weitere Unterstützungsmöglichkeit der in diesem Schritt ist die Durchführung von Feedbackgesprächen nach Bewerbungsterminen.
7. Entscheidungsfindung: In diesem Schritt sind die Beratenden wichtige Reflexionspartner. Mögliche Einwände gegen eine Stelle werden systematisch herausgearbeitet und die avisierte Stelle mit den zuvor entwickelten Zielen abgeglichen. Auch die Vorbereitung auf Vertragsverhandlungen gehört zum Portfolio von Outplacement-Beratungen.
Neben diesen sieben Schritten bieten Outplacement-Beratungen in unterschiedlicher Angebotsbreite folgende weitere Dienstleistungen an:
- Unterstützung der Integration in das Zielunternehmen (Onboarding)
- Büroservice im Bewerbungsverfahren
- Übersetzung von Bewerbungsunterlagen in andere Sprachen
TIPP: Die Outplacement-Beratenden dürfen nicht an den Entscheidungen über Kündigungen und die dadurch betroffenen Beschäftigte beteiligt sein. Dies würde die Glaubwürdigkeit in der anschließenden gemeinsamen Arbeit mit den Betroffenen erheblich einschränken.
Welche Kosten müssen kalkuliert werden?
Die Kosten für eine Outplacementberatung werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst:
- Zielgruppe (Anzahl und Hierarchiestufe)
- Einzel- oder Gruppenoutplacement
- Art und Umfang der Outplacementleistungen
- Dauer des Beratungsprozesses
Die Preise für Beratungsleistungen variieren auf Basis dieser Faktoren sehr stark. Die Einstiegspreise liegen bei ca. 2.000,00 bis 2.500,00 €. Mittlere, sinnvolle Beratungspakete liegen zwischen 5.000,00 und 9.000,00 €.
TIPP: Vereinbaren Sie mit dem Outplacement-Beratungsunternehmen schriftlich Beratungsinhalte, Beratungsdauer und Beratungskosten.
Worauf muss bei der Suche nach einem geeigneten Beratungspartner besonders geachtet werden?
Der BDU-Fachverband Outplacementberatung hat eine Checkliste herausgegeben, die Unternehmen bei der Beratersuche unterstützen soll.
Zu den vier Rubriken dieser Checkliste gehören:
- Fachliche Eignung
- Beratungsangebot
- Vertraulichkeit und Loyalität
- Formaler Ablauf
ACHTUNG: In verschiedenen Fällen sind Outplacement Berater auch als Headhunter im Bereich der Personalsuche tätig. Dies führt normalerweise zu einem Interessenkonflikt. Auf der einen Seite finanziert ein Unternehmen die Personalsuche und auf der anderen Seite ein Unternehmen das Outplacement. Seriöse Outplacement Berater haben in der Regel Richtlinien, die diesen Interessenkonflikt ausschließen.
TIPP: Auch wenn die Beratenden vom Unternehmen bezahlt werden, sind diese zur Neutralität verpflichtet.
TIPP: Die vollständige Checkliste kann direkt auf den Seiten des BDU heruntergeladen werden.
TIPP: Eine Auswahl von spezialisierten Outplacement-Beratungseinrichtungen finden Sie hier.
Wie sollte ein Beratungsvertrag aussehen?
Der Vertrag über die Outplacement-Beratung sollte in jedem Fall vor dem Start der Beratungsaktivitäten unterzeichnet werden. In diesem Vertrag sind wichtige Eckpunkte wie die entstehenden Kosten, Dokumentationspflichten (Protokolle, Zwischen- und Abschlussberichte), Termine, einzusetzende Beratende und mögliche Abbruchgründe der Beratung zu regeln.
Zu den wichtigen finanziellen Regelungen gehören:
- Gestaltung der Beraterhonorare als fixe oder erfolgsabhängige Komponenten
- Gestaltung der Nebenkosten als Pauschale oder detailliert aufgeschlüsselt
- Weitere auftretende Kosten und deren Vergütung
Müssen Sie sich von Beschäftigten trennen?
Wir möchten Ihnen mit unseren Informationen, Erfahrungen und Tools helfen, diesen Prozess konfliktarm, wirtschaftlich und fair zu gestalten. Unser Tool „10 Erfolgsfaktoren für Outplacement“ gibt Ihnen Hinweise, wie Sie die Qualität des Trennungsprozesses steigern. Empfehlungen für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Kündigungsgesprächen finden Sie im Tool "Tipps Kündigungsgespräche". Lesen Sie ausführliche Informationen zu Trends von Outplacementberatung und nutzen Sie die umfangreichen Linktipps und Buchempfehlungen zum Outplacement.




