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Sozialversicherungen aus der Arbeitgeberperspektive

© freepik.com / rawpixel.com

Die Sozialversicherung ist aus der Sicht des Arbeitgebers ein leidiges Thema – für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aber eine essentielle Absicherung. Für jeden Arbeitgeber sowie Personalverantwortliche ist es daher von Bedeutung, sich einmal intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen, um alle wichtigen Fragen beantworten zu können und Rechtssicherheit herzustellen.

Obwohl die Arbeitgeberpflichten hinsichtlich der Sozialversicherungen streng geregelt sind, bleibt ein gewisser Spielraum, wenn es um die konkrete Ausgestaltung geht. Für jeden Arbeitgeber stellt sich daher die Frage, wie er die anfallenden Kosten im Rahmen halten kann, ohne dadurch einen Nachteil für den Arbeitnehmenden zu generieren.

Wann der Arbeitgeber zahlen muss …

Die Sozialversicherungen in Deutschland bestehen aus verschiedenen Komponenten und setzen sich in einem Angestelltenverhältnis zusammen aus der Kranken-, Renten-, Pflege-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Die Höhe der Beiträge richtet sich dabei nach dem Bruttoeinkommen des jeweiligen Mitarbeiters. Es lässt sich somit keine pauschale Aussage treffen, wie teuer die Sozialversicherungen in jedem einzelnen Fall sind. Einen Unterschied macht dabei auch, ob der betreffende Angestellte gesetzlich oder privat versichert ist. Die Wahl hat er allerdings nur, wenn er eine gewisse Einkommensgrenze überschreitet. Zudem gibt es Ausnahmefälle, in welchen die Arbeitnehmenden nicht sozialversicherungspflichtig sind.

… und wann nicht

Die Gesetzeslage rund um die Sozialversicherungen gestaltet sich in Deutschland also gewohnt kompliziert. Keine Regel ohne Ausnahmen, das trifft auch hier zu. Demnach muss der Arbeitgeber keine Sozialversicherungsbeträge zahlen, wenn kein Arbeitsvertrag geschlossen wurde, also es sich nicht um einen Angestellten, sondern um einen selbständigen Auftragnehmenden wie einen Freiberufler handelt. Die Beiträge entfallen zudem teilweise für geringfügig Beschäftigte, sprich der Arbeitgeber muss für diese keinen Anteil der Arbeitslosen- und Pflegeversicherung bezahlen, während die Kranken- und Rentenversicherung vergünstigt sind. Das gilt beispielsweise auch, wenn Rentner und Renterinnen geringfügig beschäftigt werden. Nicht sozialversicherungspflichtig sind unter Umständen auch Mitarbeitende mit befristeten Arbeitsverträgen, sofern diese kürzer als drei Monate im Unternehmen arbeiten. Auszubildende gelten jedoch nicht als geringfügige Beschäftigte – auch dann nicht, wenn sie kein oder nur ein geringes Gehalt beziehen.

Wie hoch der Arbeitgeberanteil ist

2020 05 07 Sozialversicherungen aus der Arbeitgeberperspektive Bild2© stock.adobe.com / blende11.photoAuch für Auszubildende muss der Arbeitgeber dementsprechend Sozialversicherungsbeiträge abführen. Liegt dessen Gehalt unter 325 Euro pro Monat, muss der Arbeitgeber diese Beiträge sogar alleine tragen. In allen anderen Fällen werden sie jeweils zur Hälfte aufgeteilt, sprich der Arbeitgeber bezahlt 50 Prozent und der Arbeitnehmende die anderen 50 Prozent. Ein weiterer Sonderfall ist die bereits erwähnte geringfügige Beschäftigung, auch als „Minijob“ bekannt. Hierbei ist zwar der Arbeitnehmende selbst nicht sozialversicherungspflichtig, doch der Arbeitgeber muss trotzdem einen Pauschalbeitrag zur Renten- und Sozialversicherung an die Minijob-Zentrale zahlen. Um sicherzustellen, ob ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin sozialversicherungspflichtig ist, und die Beiträge korrekt zu berechnen, ist also ein Blick auf dessen Jahresarbeitsentgelt aufschlussreich. Einzurechnen sind hierbei auch Sonderzahlungen wie die einmalige Auszahlung von Weihnachtsgeld. Dieses Bruttojahreseinkommen dient nämlich als Berechnungsgrundlage für die Sozialversicherungsbeiträge und davon muss – wie soeben erwähnt – der Arbeitgeber im Regelfall die Hälfte tragen. 

Was nicht zum Jahresarbeitsentgelt zählt

Auch von dieser Regel gibt es jedoch Ausnahmen. Nicht einberechnet werden muss demnach die Auszahlung von Überstunden, sofern es sich nicht um eine regelmäßige oder pauschale Zahlung handelt. Ausgenommen sind zudem Zuschläge wie Familienzulagen. Auch viele Zusatzleistungen ziehen keine Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge nach sich. Für den Arbeitgeber bietet das Einsparungspotenziale und zugleich große Chancen für die Mitarbeitergewinnung sowie -bindung. Denn solche Zusatzleistungen können einen Arbeitgeber attraktiv(er) machen und die Motivation der Mitarbeiter erhöhen – ohne dadurch höhere Lohnnebenkosten zu verursachen. Sei es ein Geschäftshandy oder eine Betriebsrente … die Möglichkeiten sind vielfältig und für den Arbeitnehmenden entsteht dadurch kein Nachteil, sondern sogar ein Vorteil. Eine Win-Win-Situation also, sofern diese richtig sowie legal umgesetzt wird. Auch für Personalverantwortliche sind diese Zusatzleistungen im Recruiting-Prozess von großer Bedeutung. Für sie ist es somit ebenfalls wichtig, ein gewisses Knowhow im Bereich der Sozialversicherungen mitzubringen, um Bewerbenden beziehungsweise Mitarbeitenden alle relevanten Fragen beantworten zu können und Konzepte zu entwickeln, die eben nicht nur den Einsparungen bei den Sozialversicherungen, sondern auch dem Employer Branding zuträglich sind.

Die Beitragshöhen im Detail

Wie bereits erwähnt, richten sich die konkreten Sozialversicherungsbeiträge an der Höhe des Einkommens aus. Als Arbeitgeber können die Beitragssätze im Jahr 2020 dementsprechend wie folgt berechnet werden: Bezogen auf das Jahresarbeitsentgelt, liegen die Beitragssätze für die

  • Krankenversicherung bei 14,6 Prozent beziehungsweise 14 Prozent (ermäßigt).
  • Pflegeversicherung bei 3,05 Prozent.
  • Rentenversicherung bei 18,60 Prozent.
  • Arbeitslosenversicherung bei 2,4 Prozent.

In Sonderfällen ist in der Pflegeversicherung ein Beitragszuschlag für Kinderlose von 0,25 Prozent oder eine knappschaftliche Rentenversicherung in Höhe von 24,7 Prozent zu zahlen. All diese Beitragssätze werden jeweils zur Hälfte aufgeteilt, sprich der Arbeitgeber trägt zum Beispiel bei der Krankenversicherung nur 7,3 beziehungsweise ermäßigte sieben Prozent. Für Arbeitnehmer mit einem sehr hohen Jahresarbeitsentgelt gilt zudem die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze. Das bedeutet, dass die Beiträge ab einem gewissen Punkt nicht mehr weiter steigen, weder für den Mitarbeiter selbst noch für den Arbeitgeber.

Beitragsbemessungsgrenzen im Jahr 2020

Diese Beitragsbemessungsgrenzen werden in regelmäßigen Abständen angepasst. Im Jahr 2020 liegen diese für die Renten- und Arbeitslosenversicherung bei 82.800 Euro jährlich in den alten und 77.400 Euro pro Jahr in den neuen Bundesländern. Für die Kranken- und Pflegeversicherung liegt der Wert in beiden Fällen bei 56.250 Euro. Etwas höher ist die allgemeine Versicherungspflichtgrenze. Demnach sind alle Arbeitnehmer, welche im Jahr 2020 weniger als 62.500 Euro verdienen in der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert, womit die genannten Beitragssätze gelten. Wer mehr verdient, kann hingegen freiwillig in die private Krankenversicherung wechseln. Das hat Auswirkungen auf die Kosten, und zwar nicht nur für den Arbeitnehmer, sondern eben auch für den Arbeitgeber.

Arbeitgeberanteil in der PKV

Auch bei einer privaten Krankenversicherung, der sogenannten PKV, muss der Arbeitgeber einen Anteil von 50 Prozent zu den Beitragssätzen tragen. Allerdings richten sich diese nicht am Einkommen aus, wie das bei der gesetzlichen Krankenversicherung der Fall ist, sondern die Kosten setzen sich aus anderen Bestandteilen zusammen. Dementsprechend kann der Arbeitgeber nicht pauschal anhand des Jahresarbeitsentgelts berechnen, wie hoch sein zu zahlender Anteil ist. Im Regelfall bedeutet der Wechsel in die PKV aber für beide Seiten gewisse Kosteneinsparungen, denn kaum ein Arbeitnehmer nimmt den freiwilligen Wechsel vor, wenn er dadurch eine höhere finanzielle Belastung hätte. Ausnahmen bestätigen die Regel, schließlich können auch andere Vorteile der PKV für den Wechsel sprechen. Es liegt dann an Arbeitnehmenden, den Arbeitgeber rechtzeitig vor dem Krankenkassenwechsel darüber zu informieren, damit eine entsprechende Berechnung erfolgen kann.

Direkte und indirekte Personalkosten

2020 05 07 Sozialversicherungen aus der Arbeitgeberperspektive Bild3© stock.adobe.com / JirapongFür Personaler werden die Sozialversicherungsbeiträge also immer dann relevant, wenn sie die Personalkosten berechnen müssen. Hinzu kommen weitere Teilbereiche der täglichen Arbeit wie das bereits erwähnte Employer Branding. Bei der Berechnung wird zwischen den direkten und den indirekten Personalkosten unterschieden. Zu den direkten Personalkosten zählen beispielsweise

  • das Bruttogehalt,
  • die Sachwertbezüge sowie
  • weitere Nebenbezüge.

Die Sozialversicherungsbeiträge fallen hingegen unter die indirekten Personalkosten, zusätzlich zu weiteren Lohnnebenkosten und den Personalneben- sowie Personalzusatzkosten. Als grobe Faustregel für die Berechnung der Personalkosten gilt daher, etwa 21 Prozent an zusätzlichen Kosten zu den direkten Personalkosten zu addieren, sofern es sich um einen sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitenden handelt.

Fazit

Für beinahe jeden Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin fallen also indirekte Personalkosten durch die Sozialversicherungen an, welche durch den Arbeitgeber einkalkuliert werden müssen. Unter Umständen sind an dieser Stelle Einsparungen möglich, wenn der Bruttolohn durch Zusatzleistungen gesenkt wird. Auch einige Ausnahmefälle wie der Minijob erlauben legale Sparmöglichkeiten, sind jedoch nicht in jedem Fall sinnvoll. Es handelt sich somit um eine Rechnung, die stets im Einzelfall getätigt werden muss. Eine Möglichkeit, um sich der Pflicht zur Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge ganz zu entziehen, gibt es jedoch nicht. Dementsprechend wichtig ist es für Personalverantwortliche, entsprechendes Knowhow in dieser Thematik mitzubringen.

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