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Schätze suchen und finden: Was Unternehmen bei der Gewinnung von Studienabbrechenden für Ausbildungsplätze beachten sollten

Fotolia 56784840 Sfotomek - Fotolia.comKreative Wege zur Fachkräftesicherung sind in Zeiten der Knappheit von Fachkräften, insbesondere von Auszubildenden, mehr denn je gefragt.

Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher stellen dabei eine mögliche Personengruppe dar, dieser Herausforderung zu begegnen. Und dies aus gutem Grund! Die Anzahl der Studienanfänger/innen an deutschen Hochschulen ist in den letzten Jahren bis auf wenige Ausnahmen kontinuierlich gestiegen. Dennoch erreichen nicht alle von ihnen den Abschluss. Studienabbrecher/innen gibt es seit Existenz der Hochschulen, doch was mit ihnen nach Verlassen der Hochschule passiert, wurde lange Zeit wenig betrachtet.

Einige nutzen den Abbruch für eine neue Orientierung und interessieren sich beispielsweise für eine duale Ausbildung oder ein duales Studium. Studienabbrecher/innen haben im Laufe ihres Studiums in vielen Fällen hochwertige Kompetenzen erworben und verfügen über wertvolle Potenziale. Gleichzeitig gestalten sich die Besetzung offener Ausbildungsstellen und die Suche nach passenden Bewerbern und Bewerberinnen für Unternehmen immer schwieriger. Deshalb rücken zunehmend auch Studienabbrecher/innen nicht nur in den Fokus der politischen Verantwortlichen, sondern auch von Unternehmen. Doch - Wie kommt man an diese Personengruppe heran? UND: Was ist bei der Gewinnung und Entwicklung von Studienabbrecher/innen besonders zu beachten?

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Was macht die Gruppe von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern aus?

Die Gruppe der Studienabbrecher/innen unterscheidet sich deutlich von anderen Auszubildenden:

  • In der Regel sind sie älter und verfügen über mehr Lebens- und meist auch Berufserfahrung. Aus diesem Grund sind ihre Sozialkompetenzen meist hoch entwickelt.

Im Rahmen des Studiums konnten sie sich bereits Fach- und Methodenwissen aneignen:

  • Sie können für eine Reihe von betrieblichen Aufgaben unmittelbar oder sehr schnell eingesetzt werden.

Studienabbrecher/innen starten in der Regel sehr positiv und lernwillig in ihre neue berufliche Entwicklung:

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  • Sie sind motiviert und engagiert, denn dieses Mal wollen sie es unbedingt schaffen!

Die in der Vergangenheit gesammelten Erfahrungen führen auch dazu, dass Studienabbrecher/innen konkrete Vorstellungen bezogen auf ihre berufliche Weiterentwicklung formulieren:

  • Studienabbrechende stellen oft höhere Ansprüche an ihre Arbeitsaufgaben und ihr Arbeitsumfeld.

Aus diesen Gründen ist es für Unternehmen, die sich für die Ausbildung und Einstellung von Studienabbrechern/innen interessieren, wichtig, die Besonderheiten dieser Gruppe zu berücksichtigen!

TIPP: Informieren Sie sich in unserer Linksammlung zu besonderen Fachkräftegruppen über Studienabbrechende, ausländische Fachkräfte, Flüchtlinge sowie Berufsrückkehrer/innen!

Was sollten Unternehmen Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern bieten?

Fotolia 79690460 Sfotomek - Fotolia.comStudienabbrecher/innen bevorzugen Ausbildungsangebote von Arbeitgebern, die ihnen wertschätzend begegnen, ihre Vorleistungen aus dem Studium anerkennen und berufliche Aufstiegschancen eröffnen. Unternehmen, die Studienabbrecher/innen für die duale Ausbildung oder ein duales Studium gewinnen wollen, können auf unterschiedlichen Wegen auf sich aufmerksam machen:

  • Ermöglichen Sie Studienabbrecher/innen ein Orientierungspraktikum im Unternehmen!
  • Sprechen Sie Studienabbrecher/innen gezielt in Ihren Ausschreibungen für Ausbildungsplätze an!
  • Bieten Sie die Möglichkeit zur Verkürzung einer dualen Ausbildung und damit eine individuelle Gestaltung der Ausbildungszeit an!
  • Weisen Sie auch auf Entwicklungs-, Karriere- und Laufbahnmöglichkeiten nach dem Abschluss einer Ausbildung hin!

Gut zu wissen: Wenn es um die konkrete Umsetzung einer Ausbildungsverkürzung geht, sind die jeweils zuständigen Kammern der beste Ansprechpartner für Ihr Unternehmen.

  • Zeigen Sie mögliche Entwicklungsperspektiven in Ihrem Unternehmen auf! Dazu zählt insbesondere die Option, den ehemals angestrebten Studienabschluss perspektivisch nachholen zu können.
  • Sichern Sie eine branchengerechte Ausbildungsvergütung ab und honorieren Sie besondere Leistungen!

Gut zu wissen: Eine duale Ausbildung kann für ehemalig Studierende oft ein finanzieller Einschnitt bedeuten, weil sie beispielsweise BAföG bezogen oder einen Nebenjob ausgeübt haben.

  • Übertragen Sie interessante und anspruchsvolle Aufgaben bereits in der Ausbildungszeit an Studienabbrecher/innen!

TIPP: Nutzen Sie unser Tool "Kurzcheck Attraktivitätsfaktoren für Studienabbrechende" zur Gewinnung von Studienabbrechenden für Ihr Unternehmen!

Welche Hürden haben ehemalige Studierende beim Einstieg in eine Ausbildung unter Umständen zu überwinden?

Sozial – die Integration in die Gruppe der anderen Auszubildenden, die voraussichtlich deutliche jünger sind und damit eine andere Lebensart an den Tag legen, kann eine Herausforderung sein. Die Spannweite reicht von der „Elternrolle“ für die jüngeren bis hin zum/r Außenseiter/in.

Motivational – es hat eine Veränderung im Lebensplan gegeben, da das ursprüngliche Vorhaben, mit einem Studienabschluss in das Berufsleben einzusteigen, gescheitert ist. Für die neue Situation einer Ausbildung, die weitaus mehr praktische Inhalte ausweist als ein Studium, gilt es, neue Motivation aufzubauen.

Emotional – egal ob der Studienabbruch früh oder spät im Studium passiert ist, handelt es sich um einen als mehr oder weniger drastisch erlebten Einschnitt im Leben junger Menschen, der erst einmal verarbeitet werden muss. Je nach dem sozialen Umfeld und der psychischen Konstitution gelingt dies schneller oder langsamer.

Wie können Unternehmen den Einstieg von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern gut gestalten?

Fotolia 75703777 Sfotomek - Fotolia.comUm den reibungslosen Einstieg in Ihr Unternehmen zu fördern, können Personal- und Ausbildungsverantwortliche verschiedene Aspekte im Umgang mit Studienabbrechern/innen beachten:

Unvoreingenommenheit und Wertschätzung zeigen

  • Begegnen Sie den Bewerbenden ohne Vorbehalte! Machen Sie im persönlichen Gespräch deutlich, dass eine Ausbildung in Ihrem Unternehmen eine tolle Möglichkeit für einen Neustart bedeuten kann und dass Ihr Unternehmen gern ehemalige Studierende mit hoher Motivation ausbildet!
  • Schildern Sie positive Erfahrungen, die Sie mit der Ausbildung von Studienabbrechenden gemacht haben! Diese sind für die Bewerbenden sicher interessant.

Kompetenzen und Interessen erfragen

  • Fragen Sie danach, welche Kompetenzen aus dem Studium für die Ausbildung im gewählten Beruf wertvoll sein könnten! Das wertet auch in den Augen der/des Studienabbrechenden die vorhandenen Vorkenntnisse auf. Ihr Unternehmen kann daraus Ideen für einen guten Start der praktischen Ausbildung und passende Einsatzfelder der/des Auszubildenden entwickeln.

Gegenseitig kennenlernen

  • Natürlich stellt sich dennoch die Frage, wie es zum Studienabbruch gekommen ist. Informieren Sie sich über die Gründe und lernen Sie die persönliche Geschichte Ihres Gegenüber näher kennen!
  • Informieren Sie sich über Erwartungen, die Studienabbrechende als Bewerbende an Ihre Ausbildung haben! Stellen Sie die unterschiedlichen Anforderungen der Ausbildung im Vergleich zum Studium dar (z. B. strukturierter Alltag, Arbeitszeitaufteilung, Berufsschule usw.)!

 Übereinstimmende Ziele identifizieren

  • Finden Sie im persönlichen Gespräch heraus, welche beruflichen Ziele der/die Bewerbende über die Ausbildung hinaus verfolgt! Gehen Sie darauf ein, inwiefern diese Ziele ggf. auch in Ihrem Unternehmen erreichbar sind.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es für Unternehmen bei der Ansprache von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern?

Seit Januar 2015 sind Projekte im Programm JOBSTARTER plus, gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds, aktiv. Die Projekte zielen insbesondere auf eine nachhaltige Fachkräftesicherung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) durch Unterstützungsleistungen beim Erhalt und Ausbau ihrer Ausbildungsbeteiligung sowie bei der Erschließung weiterer Fachkräftepotenziale, dazu gehört unter anderem die Unterstützung von KMU bei der Gewinnung von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern als Auszubildende. Informieren Sie sich dazu unter www.jobstarter.de!

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