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Mitarbeiterbindung - Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick

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Fachkräftemangel, dieses Wort schwebt seit Jahren über der deutschen Wirtschaft - wie das Schwert über Damokles. So bedrohlich der Fachkräftemangel auch wirkt, hat er einige positive Nebeneffekte, die vor allem den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zugutekommen. Unternehmen investieren deutlich mehr in die Mitarbeiterzufriedenheit. Statt leerer Versprechungen gibt es gehaltvolle Work-Life-Balancepakete, Weiterbildungen und echtes Interesse an der Mitarbeiterbindung.

Gesucht, gefunden, gebunden

Arbeitgeber stehen vor großen Herausforderungen beim Recruiting, denn sie finden kaum noch passendes Personal für ausgeschriebene Stellen. Wer nicht intern für Nachwuchs sorgt, muss sich auf dem externen Arbeitsmarkt der Konkurrenz stellen. Personalentwicklung und Weiterbildungen sind hier die Lösungen, auch wenn sie Zeit brauchen und Geld kosten.

Vor einigen Jahren warnten Bewerbungscoaches ihre Kunden vor Unternehmen, die ein und dieselbe Stelle innerhalb kurzer Zeiträume immer wieder ausschrieben. Sie nahmen an, dass die eingestellten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entweder in der Probezeit gekündigt wurden oder von selber gingen. In dem Unternehmen musste etwas nicht stimmen, so die Meinung. Doch seit Jahren ist der Grund für wiederholte Ausschreibungen, dass einfach kein geeigneter Bewerber bzw. keine geeignete Bewerberin gefunden wurde. Das bedeutet, dass die Suche ausgeweitet wird auf Nachbarländer und am Ende sogar weltweite Rekrutierungsprogramme laufen.

Wurde eine Stelle dann endlich besetzt, wird deutlich intensiver an der Mitarbeiterbindung gearbeitet, weil die Angst vor der Abwanderung in andere Unternehmen groß ist. Fehlende Kenntnisse werden nicht mehr als Ausschlusskriterium gesehen, sondern in der Einarbeitung vermittelt. Die Nachfrage nach Weiterbildungen ist daher stark gestiegen. Sie sind ein sehr gutes Instrument zur Mitarbeiterbindung, denn jeder Arbeitnehmer bzw. jede Arbeitnehmerin möchte sich weiterentwickeln. Wird ihm oder ihr dies ermöglicht, stärkt das die Loyalität für das unterstützende Unternehmen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Sofern die Betriebsabläufe es erlauben, werden die Arbeitszeiten sehr flexibel gestaltet, damit Fachkräfte im privaten Bereich nicht zurückstecken müssen. Familienplanung wird nicht mehr als rotes Tuch von Unternehmensseite wahrgenommen, sondern in die Personalstrategie eingebunden. So werden betriebseigene Kitaplätze geschaffen oder in den örtlichen Betreuungseinrichtungen Plätze für die Mitarbeitenden gebucht und die Kosten hierfür bezuschusst.

Homeoffice oder Remotejobs ermöglichen es ausländischen Mitarbeitenden, ihre Familien im Heimatland zu besuchen oder auch im Inland Familie und Job besser zu vereinen.

Dem Wunsch nach vorübergehender Kürzung der Arbeitszeit wird immer öfter nachgekommen, so dass Angehörige unterstützt werden können, ohne dass Arbeitnehmende unter dem Stress leiden. Sabbatjahr, Pflegeauszeit, Erziehungszeit sind keine Karrierekiller mehr, sondern werden von Unternehmensseite gern gewährt, weil sie wissen, dass ihre gut qualifizierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nur abwesend und nicht weg sind.

Mitarbeiterzufriedenheit wird angestrebt

Die Mitarbeiterzufriedenheit bekommt wesentlich mehr Aufmerksamkeit von Unternehmensseite. Denn Unzufriedenheit ist ein stärkeres Argument für Abwanderung als bessere Bezahlung im Konkurrenzbetrieb.

Um die Mitarbeitenden zu ihrer Zufriedenheit zu befragen, werden verschiedene Methoden eingesetzt. Ergibt die Auswertung kritische Ergebnisse, wird angestrebt, diese zu verbessern. Bei den Maßnahmen hierzu werden die Mitarbeitenden wiederum eingebunden.

Da jeder Mensch andere Ansprüche hat und vom Wesen her andere Angebote benötigt, um zufrieden zu sein, sind die Bonuspakete der Unternehmen sehr kreativ gestaltet. Von Fitness über Altersvorsorge bis hin zu Sachleistungen sollen die Angebote den Mitarbeitenden das Leben erleichtern.

Mannschaftssport im Unternehmen bindet sogar doppelt. Denn ein Wechsel des Arbeitsplatzes bedeutet in der Regel auch ein Ausscheiden aus der Mannschaft, die oft eine Art Freundeskreis darstellt.

Image und Unternehmensphilosophie rücken in den Fokus

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind kritischer geworden. Sie hinterfragen das Firmenimage und möchten die Unternehmensphilosophie menschlich vertreten können. Diskrepanzen zwischen dem was nach Außen transportiert und im Inneren gehandhabt wird, werden nicht stillschweigend hingenommen. Daher engagieren sich die Unternehmen gesellschaftlich und sozial, achten mehr auf das Klima und auf Werte, die ihre Mitarbeitenden vertreten. Das äußert sich durch Teilnahmen an Friedensläufen, Sponsoring von Vereinen oder Erhöhung der Transparenz.

Gut ausgebildete Führungskräfte

Der Wohlfühlfaktor steht und fällt mit dem direkten Umfeld. Die nächsten Kollegen, die Teamleitung, die Organisation und der Umgang mit Konflikten sind ausschlaggebend dafür, ob Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen. Gut ausgebildete Führungskräfte sind daher ein wichtiger Faktor in der Mitarbeiterbindung. So setzen Unternehmen verstärkt auf Diplomaten. Dies gelingt durch Weiterbildungen in Gesprächsführung, Mitarbeiterführung und durch Coachings, die Soft Skills stärken. Ein Abteilungsleiter bzw. eine Abteilungsleiterin mit wenig Selbstbewusstsein wird Konflikte scheuen. Das äußert sich je nach Typ in einer totalen Bestimmmentalität („Weil ich es sage!“) oder in fehlender Durchsetzungskraft. Beides schafft Unzufriedenheit. Also sollte die Abteilungsleitung das Selbstbewusstsein stärken und entsprechende Angebote wahrnehmen.

Mitarbeiterzufriedenheit braucht Pflege

Ansprüche verändern sich und zu hoher Komfort macht auch unzufrieden. Das muss berücksichtigt werden, wenn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch Maßnahmen ans Unternehmen gebunden werden sollen. Wir kennen das alle, wenn der Reiz des Neuen verfliegt und das Auto nur noch Gebrauchsgegenstand wird oder wir trotz Netflix, Mediathek und eigenem Sortiment an Spielfilmen nicht mehr wirklich Lust haben, etwas zu schauen. Übersättigung weckt den Ruf nach immer mehr.

Damit die Mitarbeiterbindung weder in ausufernden Angeboten noch in überzogenen Ansprüchen der Mitarbeitenden mündet, sollten Angebote regelmäßig geprüft und ggf. ausgetauscht werden. Auch die Schaffung von Wahlmöglichkeiten kann helfen, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Angeboten zu motivieren und zu binden.

Zudem findet nicht jeder Mitarbeiter oder jede Mitarbeiterin jedes Angebot gut oder profitiert davon. Kinderlose haben nichts von der Kita und Sportmuffel wollen keine kostenlose Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Angebote zum Teambuilding müssen von allen getragen werden. Jemanden mit Höhenangst in den Kletterpark zu schicken, bringt nichts. Daher ist das A und O die Mitarbeitenden einzubeziehen und gut kennenzulernen.

Unterstützung in allen Lebenslagen

Große Unternehmen beschäftigen teilweise Sozialarbeiter und -arbeiterinnen, um Mitarbeitenden in allen Lebenslagen zu helfen. Sie sind Ansprechpartner und -partnerin bei Scheidung, Wohnungsnot, Erziehungsfragen, Sucht oder Schulden und helfen den Arbeitnehmenden ihre sozialen und privaten Probleme zu lösen, ohne deswegen den Arbeitsplatz zu verlieren. Auch das ist Mitarbeiterbindung und richtet sich an alle Personalbereiche von Helfer oder Helferin bis zu Manager oder Managerin. Neben intensiven Einzelgesprächen ist hier vor allem Unterstützung bei Formalitäten (Anträge auf Therapieplätze, Termine in Beratungsstellen vereinbaren usw.) gefragt. In der Regel haben die Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen ein großes Netzwerk und für jedes Problem zumindest eine Anlaufstelle. Vor allem Unternehmen mit multikulturellem Mitarbeiterstamm profitieren von diesem Angebot, weil die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf diese Weise entlastet werden und die Leistungsfähigkeit steigt. Dass die Loyalität zum Unternehmen dadurch gefestigt wird, ist verständlich.

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