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Krank im Urlaub: Vier Fragen zur Entgeltfortzahlung

Für den Arbeitgeber ist es besonders ärgerlich, für den/die Arbeitnehmer/in aber leider nicht steuerbar: Wird er/sie im Urlaub krank, so kann er/sie sich nicht erholen und darf sich in der Folge durchaus krankschreiben lassen. Doch welche Folgen hat es eigentlich, wenn der/die Arbeitnehmer/in im Urlaub erkrankt und wie ist mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus dem Ausland umzugehen? Die wichtigsten Fragen rund um die Arbeitsunfähigkeit während des Urlaubs und die zugehörigen Antworten auf einen Blick!

 

Welche Informationspflichten hat der/die Arbeitnehmer/in?

Die Informationspflichten des/r Arbeitnehmers/in entsprechen im Urlaub weitgehend denselben wie an einem gewöhnlichen Arbeitstag. Er/sie muss:

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  • sich unverzüglich bei seinem/ihrem Arbeitgeber melden und seine/ihre Arbeitsunfähigkeit anzeigen (am ersten Tag der Erkrankung).
  • die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit angeben.
  • zusätzlich seine/ihre Adresse/Kontaktdaten am Aufenthaltsort (z. B. Hotel, Krankenhaus) hinterlassen.
  • sich unverzüglich zurückmelden, wenn er/sie aus dem Ausland zurück ins Inland kommt.
  • spätestens bis zum vierten Kalendertag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen.

Um diesen Informationspflichten nachzukommen, muss er/sie die schnellstmögliche Art der Übermittlung nutzen. Die Bescheinigung mit der zwei Wochen dauernden Post zu schicken, reicht in der Regel nicht. Die Anzeige der Erkrankung kann auch telefonisch, per Fax oder per E-Mail erfolgen.

Gilt auch eine ausländische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung?

Befindet sich der/die Arbeitnehmer/in im Ausland, darf er/sie sich die Arbeitsunfähigkeit natürlich auch von einem/r dort ansässigen Arzt/Ärztin bescheinigen lassen. Allerdings muss aus der Bescheinigung ausdrücklich hervorgehen, dass er/sie wirklich arbeitsunfähig ist – eine reine Bestätigung der Erkrankung reicht nicht für den Anspruch auf Lohnfortzahlung (Urteil des BAG vom 1. Oktober 1997, Az. 5 AZR 499/96).

Tipp: Ist die Bescheinigung in einer fremden Sprache abgefasst, können Sie die Prüfung auch in Absprache mit der zuständigen Krankenkasse angehen.

Darf der/die Arbeitnehmer/in die Krankheitstage einfach an das Ende des Urlaubs anhängen?

§ 9 BUrlG bestimmt, dass Urlaubstage nicht auf den Jahresurlaub angerechnet werden dürfen, wenn der/die Arbeitnehmer/in ein ärztliches Attest über die Arbeitsunfähigkeit vorlegen kann. Er/sie darf den entgangenen Urlaub also später nachholen. Dies bedeutet aber nicht, dass er/sie ihn an den bereits genehmigten Urlaub anhängen und z. B. einfach eine Woche später an den Arbeitsplatz zurückkehren darf. Dies entspricht einem eigenmächtigen Urlaubsantritt und zieht mitunter schwere arbeitsrechtliche Konsequenzen wie eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung nach sich (lesen Sie mehr dazu bei personalmanagement.info).

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Gelten die Regelungen auch für Gleitzeittage?

So manche/r Arbeitnehmer/in wäre versucht, sich auch genommene Gleitzeittage gutschreiben zu lassen, wenn er/sie an einem solchen Tag arbeitsunfähig erkrankt. Dem hat allerdings das Bundesarbeitsgericht mit einem Urteil vom 31. Mai 1989 (Az. 5 AZR 44/8) einen Riegel vorgeschoben. Da sich die Regelungen aus § 9 BUrlG ausdrücklich lediglich auf den gesetzlichen Jahresurlaub erstreckt, werden Gleitzeittage nicht davon erfasst. Wird der/die Arbeitnehmer/in an einem solchen Tag krank, trägt er/sie dieses Risiko selbst.

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