Aktuelle Seite: Home

Ausbildungsmarketing in der Ernährungswirtschaft ohne Facebook & Co.- Geht das noch in der heutigen Zeit?

Diese Frage stellen sich auch immer mehr Unternehmen der Ernährungswirtschaft, denn die Folgen der demografischen Entwicklung sind längst zu spüren.

Wie sieht die aktuelle Situation der Unternehmen der Ernährungswirtschaft bei der Gewinnung von Auszubildenden aus?

Azubis gesucht! © DOC RABE Media - Fotolia.comWie alle Branchen und mittlerweile die meisten Regionen in Deutschland hat auch die Branche der Ernährungswirtschaft zunehmend mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Je nach Art des Unternehmens, regionaler Lage, Stärke der Wettbewerber und angebotener Berufe ist die Nachfrage von Schülerinnen und Schülern in vielen Unternehmen der Ernährungswirtschaft dramatisch zurückgegangen.

Auf viele Ausbildungsplätze bewerben sich bedeutend weniger Schülerinnen und Schüler. Eine Reihe von Unternehmen können Ausbildungsplätze überhaupt nicht oder nur mit Kandidaten besetzen, die unter den Anforderungen der Unternehmen liegen. Im gleichen Zug haben viele Firmen der Ernährungswirtschaft die Aktivitäten zur Gewinnung von Auszubildenden sowohl von der Quantität als auch der Qualität erhöht.

Anzeige

Warum ist die Lage in der Ernährungswirtschaft besonders dramatisch?

Die Produkte der Ernährungswirtschaft und die Namen vieler Unternehmen sind in wahrsten Sinne des Wortes „in aller Munde“. Jedoch ist die Ernährungswirtschaft als Arbeitgeber nicht oder nur kaum wahrnehmbar. Und dies, obwohl ca. jeder 10. Arbeitsplatz des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland ein Arbeitsplatz in der Ernährungswirtschaft ist.

Ein anderer wichtiger Grund ist die nicht unbedingt positive Vorstellung von Schülerinnen und Schülern über die Berufe der Ernährungswirtschaft. So muss der Bäcker früh aufstehen. Die Fachverkäuferin hat lange Arbeitszeiten und Arbeitszeiten am Wochenende. Der Fleischer hat mit Blut und toten Tieren zu tun usw. Im Gegenzug ist es für Jungs attraktiv, „In-Berufe“ wie den Mechatroniker und Fachinformatiker zu ergreifen oder für Mädchen Frisörin und Fachverkäuferin für Textilien zu werden.

Was können Unternehmen der Ernährungswirtschaft tun, um künftig ausreichend und passfähige Auszubildende zu gewinnen?

Auszubildende Baecker Fachverkaeuferin © contrastwerkstatt - Fotolia.comDie Ernährungswirtschaft besitzt eine Reihe von Vorteilen, die sie als Arbeitgeber bietet. Ein sicherlich entscheidender Vorteil für Auszubildende ist die langfristige Perspektive, die Unternehmen der Ernährungswirtschaft ihren Beschäftigten bieten. Ein weiteres Argument ist die Tradition vieler internationaler agierender, aber auch regionaler Unternehmen der Ernährungswirtschaft. Ebenso sind viele Berufe gar nicht so schlecht wie deren Ruf, wenn es überhaupt ein Ruf gibt. Diese Argumente gilt es, zu nutzen und mit falschen Vorstellungen aufzuräumen.

Dazu hat sich eine systematische Vorgehensweise in sechs Schritten bewährt.

  1. Marktforschung und Umfeldanalyse: In diesem Schritt geht es darum festzustellen, wer die regionalen Wettbewerber um die potenziellen Auszubildenden sind (Anzahl, Stärke, Maßnahmen). Ebenso sollte analysiert werden, wie groß die Anzahl der möglichen Bewerbenden ist und welche Voraussetzungen diese mitbringen.
  2. Formulieren von Zielen des Ausbildungsmarketings: Dieser Schritt hat zum Ziel, deutlich zu fokussieren, wo die Schwerpunkte des Ausbildungsmarketings liegen sollten. Geht es darum, die Anzahl der Bewerbenden für bestimmte Ausbildungsplätze zu erhöhen, soll die Passfähigkeit der Bewerbenden erhöht oder die Qualität der Bewerbenden gesteigert werden.
  3. Festlegen der Zielgruppen des Ausbildungsmarketings: Wollen wir Lehrerinnen und Lehrer mit unserem Ausbildungsmarketing ansprechen, sind es die Schülerinnen und Schüler selbst oder doch eher die Eltern. Eine Fokussierung ist wichtig, denn dies bestimmt die Treffsicherheit der späteren Maßnahmen.
  4. Konzeption für das Ausbildungsmarketing erarbeiten: Eine Konzeption stellt sicher, dass die Maßnahmen sich an den vorigen Schritten orientieren, aufeinander abgestimmt sind und im Budget bleiben. Erstaunlich ist, dass auch mit einem schmalen Budget erhebliche Erfolge erzielt werden können.
  5. Einsetzen der einzelnen Instrumente zum Ausbildungsmarketing
  6. Controlling der umgesetzten Maßnahmen: Abschließend gilt es, die umgesetzten Maßnahmen bezüglich der erzielten Wirkungen sowie der Einhaltung von Termin und Budget zu beurteilen.
Anzeige

Welche konkreten Maßnahmen zum Ausbildungsmarketing sind denkbar und sollten in einem entsprechenden Konzept auftauchen?

Für die Ansprache der Zielgruppen eignen sich insgesamt sieben Wege:

  • Internet (einschließlich Social Media),
  • Printmaterialien und Printmedien,
  • Funk und Fernsehen,
  • Zusammenarbeit mit Schulen,
  • Messen und Firmenkontaktveranstaltungen,
  • Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen und in Netzwerken und
  • Teilnahme an Wettbewerben und Förderprojekten.

Immer mehr in den Fokus von Unternehmen auf der Suche nach Auszubildenden geraten die Social Media wie facebook, twitter, flickr, youtube usw. Die großen Player wie die Automobilisten, Deutsche Telekom aber auch mittlerweile viele Handelsunternehmen wie EDEKA oder REWE tummeln sich in diesen Medien.

Die Präsenz in Social Media kann sehr nutzbringend, sollte jedoch gut überlegt sein. Sowohl eine Reihe von Kosten als auch oftmals ein hoher Betreuungsaufwand fallen und stehen dem möglichen Nutzen gegenüber. Ehe man auf ganzer Bandbreite der Social-Media-Tastatur spielt, macht es häufig Sinn, zunächst auf der eigenen Homepage eine Zielgruppen gerechte Karriereseite zu gestalten und ein Online-Bewerbungsformular einzubauen. Ebenso bietet es sich an, gemeinschaftliche Auftritte von Netzwerken, Verbänden und Vereinen der Branche in Social Media zu nutzen.

Die klassischen Printmaterialien sollten nicht aus dem Auge verloren werden. Über gezielte Flyer-Aktionen können in Kombination mit Messeauftritten, Tagen der offenen Tür eine große Anzahl von Interessenten gewonnen werden. Zentral sollte auch in diesem Zusammenhang die Zielgruppenorientierung sein. Fragen sie doch einmal Jugendliche, woher sie ihre Informationen über Berufe und Ausbildungsplätze beziehen bzw. wo diese Informationen platziert werden sollten. Die Antworten werden Sie erstaunen. Hier nur einige Lösungsmöglichkeiten:

  • Anzeige in der Schülerabschlusszeitung (Lesen auch die jüngeren Jahrgänge),
  • Erstellung eine „hippen“ Edgar Card (in Kneipen oder bei Mc Donalds),
  • Verteilung von Buttons mit z. B. der Webadresse der Karrierewebseite u.v.a.m.

Ausbildung Koch © contrastwerkstatt - Fotolia.comEin besonders effektiver Weg zur Gewinnung von Auszubildenden sowohl für kleine aber auch größere Unternehmen ist die gezielte Kooperation mit Schulen. Vorteile sind neben relativ geringen Kosten die hohe Effektivität der Maßnahmen. Unternehmen, die sich für diesen Weg entscheiden, sollten darauf achten, dass nicht mit zu vielen Schulen gleichzeitig zusammengearbeitet wird, dass die Schule(n) gezielt ausgewählt werden und dass die Zusammenarbeit möglichst konkret gestaltet wird.

Für die Formalisierung der Zusammenarbeit empfiehlt sich der Abschluss einer Kooperationsvereinbarung oder eines Kooperationsvertrags. Viele Unternehmen haben die Erfahrung gemacht, dass über die erste Vorstellung des Unternehmens z. B. im Berufsorientierungsunterricht Schülerpraktika vereinbart werden und dass die Praktikanten im Optimalfall später Auszubildende werden. Denken Sie bei der Zusammenarbeit mit Schulen im daran, die eigenen Auszubildenden in die Maßnahmen einzubeziehen. Dies erhöht nicht nur die Glaubwürdigkeit bei der Zielgruppe, sondern ist gleichzeitig eine hervorragende Personalentwicklungsmaßnahme.

Für kleinere Unternehmen mit begrenzten zeitlichen und finanziellen Ressourcen lohnt sich häufig die Organisation in branchen- oder berufsspezifischen Vereinen, Netzwerken oder Verbänden. Diese können gemeinsame Ausbildungsmessen wahrnehmen und Unternehmen dort vorstellen. Zu den weiteren Aktivitäten, die besonders gut in Kooperation mit Netzwerken umzusetzen sind, gehören Ausbildungs(platz)kataloge, Karrierewebseiten, Webseiten zur Berufsorientierung, Tage von Unternehmen einer Branche in Schulen, auf Firmenkontaktveranstaltungen und an Hochschulen.

Welches Fazit lässt sich ziehen?

Ganz ohne facebook & Co. wird es in Zukunft auch für Unternehmen der Ernährungswirtschaft beim Ausbildungsmarketing nicht gehen. Jedoch können auch ohne die neuen Medien, insbesondere Social Media, mit gezielten Maßnahmen deutliche Effekte bei der Gewinnung von Auszubildenden erzielt werden.
Voraussetzung für den Erfolg von Maßnahmen zum Ausbildungsmarketing ist eine systematische Vorgehensweise, die sich an der Spezifik und Ausgangslage des jeweiligen Unternehmens orientiert. Eine Patentlösung kann und wird es nicht geben!

Ausbildungsmarketing muss sich am Budget und der jeweiligen Zielgruppe orientieren. Zum Erreichen von Schülerinnen und Schülern sowie deren direkter Ansprache eignen sich die eigenen Auszubildenden besonders gut.

Es gilt nicht, eine große Bandbreite von Aktivitäten zu Ausbildungsmarketing zu ergreifen, sondern die richtigen Maßnahmen auszuwählen und diese gezielt miteinander zu verknüpfen.

Für Fragen zum AUsbildungsmarketing in der Ernährungswirtschaft wenden Sie sich bitte an den Autor und Ausbildungsmarketingexperten Herrn Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Anzeige